Montag, 31. März 2014

STÖRTROLLE

ich werde so gut wie nie angerufen. wenn mein telefon 2-3 mal in der woche klingelt herrscht schon hochbetrieb. ich telefoniere auch selbst so gut wie nie. das liegt nicht daran, dass ich nicht gerne telefonieren würde (was durchaus auch der fall ist), sondern weil es kaum situationen gibt, die ein telefonat erfordern würden. naja,vielleicht mag es auch ein wenig daran liegen, dass alle welt weiss, dass ich nur sehr ungern telefoniere. meistens lässt sich auch das sonst am telefon zu besprechende viel effizienter per sms oder mail lösen.

von meinem monatlichen mir zur verfügung stehenden flatrate-kontingent verbrauche ich in der regel nur einen winzigen bruchteil. weil ich eben kaum telefoniere und nur wenige sms schicke. ja sogar mein surfverhalten am smartphone muss offenbar nicht sonderlich ausgeprägt sein, da ich von 1,5 gigbyte, die ich verbraten dürfte, nicht einmal annähernd in die nähe eines nennenswerten verbrauchs gerate, obwohl ich nahezu täglich mit dem handy im internet herumstromere. trotzdem stören mich die nicht einmal 10 euro im monat, die mich dieser spass kostet nicht sonderlich, denn WENN ich einmal dringend mehr telefonieren, mehr simsen, oder mehr im internet unterwegs sein muss, dann habe ich kein problem. der preis erscheint mir deshalb durchaus angemessen, auch wenn ich monat für monat -zig stunden an gesprächsguthaben verschenke, -zig ungeschriebene sms hinterlasse und tausende ungenutzter bites einfach dort lasse, wo sie sind.

doch ich kann mir sicher sein, kaum versuche ich einmal ausnahmsweise tagsüber ein nickerchen zu machern, schon findet sich jemand der meint mich genau jetzt anrufen zu müssen. oder gleich mehrere. und wenn niemand anruft gibts garantiert eine sms. irgendwo muss sich in oder an meinem bett ein sensor befinden, der dann, wenn es tagsüber benutzt wird, signale an irgendeine störagenturzentrale sendet. dort reiben sich dann kleine grau-grüne störtrolle belustigt die hände und machen sich ans werk, um auf geheimnissvolle art und weise ominöse dinge zu veranlassen, die irgendwelche menschen die mich kennen, oder die einfach nur meine telefonnummer haben, dazu animieren doch mal bei mir anzurufen.


ja, natürlich könnte ich das telefon während des nickerchens ausschalten, doch erstens überkommt mich das immer so plötzlich, so ungeplant und mit überwältigender wuchtigkeit, dass ich einfach keinen gedanken mehr an telefone die sowieso nie klingeln verschwende, zweitens gibt es ja auch noch das festnetz.

übers festnetz werde ich sogar noch seltener angerufen, vielleicht ein mal alle 6 monate. und dennoch, heute klingelte nicht nur das handy, sondern 20 minuten später auch noch das festnetz für mich. heute waren die störtrolle fleißig.

drecksviecher!


ps: das bild stellt keinen störtroll dar, sondern einen stollentroll, gezeichnet von walter moers, dem erfinder des kleinen arschlochs, des alten sacks, des adolfs, der in seinem bonker hockt und käptn blaubär.


Sonntag, 30. März 2014

KEIN SIGNAL

ich war jetzt seit mitternacht ohne kabelverbindung, das heisst ohne tv und - das war das schlimmste - ohne internet. 

als es gestern gegen mitternacht ausfiel, störte mich das noch nicht sonderlich. dann geht man halt ins bett und gut isses. doch als dann heute vormittag immer noch keine verbindung zustande kam, wurde ich schon leicht nervös. ich kann ja leicht auf tv verzichten, ich habe genug auf dem pc liegen um mir 2-3 wochen die zeit zu vertreiben. ich habe auch kein problem ein weilchen aufs internet zu verzichten, zum beispiel wenn ich tagsüber unterwegs bin und erst abends wieder an den computer komme. doch vor der kiste zu sitzen und nicht zu wissen wann man wieder mit der wlt interagieren kann, verursacht irgendwie ein ungutes gefühl.

keine mails zu bekommen, nicht zu wissen was in den sozialen netwerken passiert, nichts hoch- oder downloaden zu können, nicht herumsurfen und neues entdecken zu können, das fehlt mir doch tatsächlich sehr schnell.


es sit seltsam wie unterschiedlich hier die wahrnehmung funktioniert. wenn man bewusst verzichtet, vielleicht im urlaub oder aus anderen gründen, dann ist man durchaus fähig längere zeit durchzuhalten. dann fällt es oft sogar ziemlich leicht. doch sobald einem ohne vorwarnung etwas genommen wird, wird das verlangen danach extrem stark. raucher kennen das, man kann locker mal 2-3 stunden auf zigaretten verzichten wenn man sich darauf eingestellt hat, aber wehe es gehen einem unverhofft die zigaretten aus, dann will man SOFORT eine rauchen. oder für die nichtraucher: denkt mal daran auf schokolade zu evrzichten. kein problem, oder? und ejtzt stellt euch vor, ihr wisst, dass ihr noch eine tafel im schrank liegen habt - und diese isst euch jemand weg. genaud ann wollt ihr sie auch haben. oder ersetzt die schokolade durch irgendwas eurer wahl, hauptsache ihr steht drauf.

ja und das selbe ist es auch mit dem internet. ich kann locker mal 12 stunden darauf verzichten wenn ich weiss, dass es jetzt soweit sein wird, aber einfach so ausknipsen macht mich wahnsinnig.

Samstag, 29. März 2014

BUCHAUSZUG - KAPITEL 11 - ZIGARETTEN IM STURM

11


der mond sieht keine chance mehr
bevor das unheil sich erbricht
verwundet flieht ein falke
als bote durch das fahle licht

der sturm, er schleudert sein angesicht über dich
der sturm, verwüstung und donnerhall, überall

blitze fällen alte bäume
und sie bohren sich ins haus
mit schweiß vor angst sitz ich im keller
und es gehn die lichter aus
~ Witt – Der Sturm ~



„Hey, cooles Set war das heute Abend“ meinte Big Nick zu Tom, als sie das Nutopia verlassen hatten und bereits auf Toms alten Kia zusteuerten, um diesen Abend mit einer ausgedehnten gemütlichen Heimfahrt quer über die Dörfer abzuschließen.
            „Woher willst du Schnarcher das wissen, du hast doch den halben Abend verschlafen?“ raunte ihm Tom über das Wagendach hinweg zu, während er ohne hinzusehen versuchte seinen Wagen aufzusperren.
            „Ich hab ja nicht den ganzen  Abend verschlafen und das was ich so gehört habe war halt cool. Ausserdem hattest du genügend Kracher drin um mich ja nicht tief genug schlafen zu lassen!“ feixte Nick zurück.
            Es machte *zupp-schlack* als Tom endlich das Schlüsselloch in der Fahrertür gefunden hatte und die Zentralverriegelung aufsprang.
            „Is schon blöd wenn keine Haare am Loch dran sind, was?“ Juxte Little Joe herum, da ihm das Öffnen der Wagentüre offensichtlich zu lange gedauert hatte und schickte einen seiner berühmten Grunzer hinterher.
            „Depp, blöder!“ grinste Tom zurück und zwinkerte ihn an. „Ich mags eigentlich schon lieber ohne.“ Er kramte in seinen Taschen, förderte ein sehr ramponiertes Päckchen Zigaretten zutage und öffnete es. – „Ay, verdammt, Ich habe nur eine einzige Kippe, das reicht bei weitem nicht. Habt ihr noch welche für die Heimfahrt, dann ziehe ich mir auf dem Weg irgendwo welche aus dem Automaten?“
            „Nö, ich hatte gehofft dass ich welche von dir schnorren kann.“ Kam prompt Big Nicks Antwort.
            „Ich habe nur mehr zwei und die hatte ich mir eigentlich fürs Heim fahren gut eingeteilt. Daheim habe ich noch 4 Packungen.“ War Little Joes bescheidener Beitrag.
            Tom seufzte. „Gibt’s hier irgendwo einen Automaten?“ frug er einfach so in die kleine Runde hinein, in der Hoffnung eine positive Antwort zu bekommen.
            „Hmmmm… auf der anderen Seite vom Stadtpark weiß ich einen.“ fiel Big Nick ein.
        „Ja, toll, soll ich jetzt alleine im Dunkeln mitten in der Nacht quer durch den Stadtpark schleichen und hoffen dass mich kein Perverser erwischt? Kommt man da nicht mit dem Auto irgendwie hin?“
            „Schon, sicher!“
            „Und wie?“
            „Keine Ahnung!“
         Tom seufzte einmal tief angesichts dieser Wurschtigkeit, die seine Brüder an den Tag legten, denn Little Joe lag bereits auf dem Rücksitz und war wohl über diese ermüdende Diskussion bereits sanft entschlummert. „OK, komm, geh wenigstens mit, du brauchst ja auch was zum rauchen!“ forderte Tom Nick auf.

            Die beiden ließen den bereits leicht schnarchenden dritten Bruder auf dem Rücksitz liegen und machten sich zu Fuß auf um für Nikotinnachschub zu sorgen. Sie waren kaum 5 Schritte gegangen, als es anfing leicht zu regnen. Big Nick schaute nach oben in den nachtschwarzen Himmel.
            „Hmmmm… ich kann zwar nicht viel sehen, aber es sieht so aus, als ob sich da was zusammenbrauen würde.“ Meinte er mit gerunzelter Stirn zu seinem großen Bruder.
            „Ja! Drum komm, mach weiter, ich werde nass!“ Fauchte ihm Tom zu. Sie schlichen leise an den Wegen des stockdunklen Parks entlang und kamen endlich glücklich an der anderen Seite an, wo Ihnen auch gleich der Zigarettenautomat mit einem freundlichen Lächeln entgegenleuchtete. Nick und Tom zogen sich jeweils zwei Schachteln Zigaretten, wobei sich beide darüber ärgerten, dass natürlich wieder einmal ihre bevorzugten Marken nicht vorhanden waren, und machten sich auf den Rückweg. Es regnete inzwischen recht heftig und man hörte die ersten Blitze, bzw. man sah die ersten Blitze und hörte den dazugehörigen Donner. Die beiden versuchten Ihre Schritte zu beschleunigen, obwohl sie bereits bis auf die Haut durchnässt waren.

            Da begann es plötzlich so heftig zu regnen, wie man es sonst nur aus Filmen kennt. Der Begriff „es regnete in Strömen“ bekam plötzlich eine sinnvolle Bedeutung, denn die Beiden hatten das Gefühl, als würde sie die Last der Regentropfen, die von oben auf sie herabprasselten, zu Boden drücken wollen. Man konnte den Weg nur mehr ahnen, denn man sah nicht mehr weiter nach vorne, als die nächsten zwei bis drei Meter.

Und dann kam der Hagel!


            „AU! Verdammt die Dinger erschlagen mich, lass uns einen Unterstand suchen!“ rief Tom Nick durch all das Unwettergetöse zu.
            Mit den Händen über den Köpfen um sich vor den tischtennisballgroßen Hagelkörnen zu schützen, rannten beide einfach blindlings durch das Parkgelände. Sie hatten sowieso keine Ahnung mehr wo sie sich befanden, also hofften sie durch Glück etwas geeignetes zu finden, das sie vor diesem plötzlich über sie hereinbrechenden Armageddon schützen könnte. Und tatsächlich: fast wären sie in ihrer Panik daran vorbei gerannt, doch sie fanden ein Telefonhäuschen. Ein seltenes Fundstück in Zeiten, in denen ja fast jeder bereits sein eigenes Handy besitzt, manche sogar deren zwei oder drei, und kaum jemand mehr auf öffentliche Telefone angewiesen ist.
            Nick sah es aus dem Augenwinkel an sich vorbeileuchten, bremste, dass der Kies spritzte, schnappte Tom am Kragen und zerrte ihn zu sich heran um sich zusammen mit ihm in das Häuschen zu drängen.
            „Oha, hab ich gar nicht gesehen“ keuchte Tom. Na hoffentlich ist der Zauber bald vorbei, mir tut das Kreuz weh, ich bin ja immerhin heute 6 Stunden am Stück im Nutopia gestanden und hier kann man sich offensichtlich nirgendwo hinsetzen.
            „Kannst ja wieder raus und dir was bequemeres suchen“ grummelte ihn Nick an.

            „Hunger hab ich auch schön langsam, naja, wenigstens haben wir Zigaretten.“ Ignorierte Tom seinen Bruder, zündete sich eine an und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand. Nick tat es ihm gleich und begann „Riders In The Storm“ von den Doors zu summen….

Freitag, 28. März 2014

DER VERSUCH EINER ÜBERLEGUNG

wer ist letztendlich wirklich verantwortlich, wenn arbeitnehmer unter völlig unhaltbaren bedingungen arbeiten müssen?

der arbeitgeber sagt "der markt, bzw. der konsument verlangt niedrige preise. diese erreiche ich nur, indem ich meine kosten minimiere."

der arbeitnehmer sagt "ich habe keine wahl. entweder verhungern, oder unter diesen bedingungen arbeiten."

der konsument sagt "ich orientiere mich am bestpreis".

ein teufelskreis! doch versuchen wir das mal zu zerlegen, bzw. ICH versuche das mal zu zerlegen:

der arbeitgeber

dass dieser versucht konkurrenzfähig zu bleiben, ist natürlich legitim. wenn die firma draufgeht, sind auch die arbeitsplätze weg, also versucht man einzusparen. und wenn alle lieferanten- und transportpreise schon bis ins unerträgliche nach unten gedrückt worden sind, die arbeitsplätze , bzw. arbeitsbedingungen schon unter aller sau sind, dann spare ich auch noch am lohn. wenns dem arbeitnehmer nicht passt, dann warten draussen schon 50 andere die gerne seinen platz einnehmen wollen.

in westlichen ländern ist der arbeitnehmer zum glück NOCH relativ gut geschützt, wobei es hier auch nochmal drauf ankommt in welchem land man das glück oder pech hat sein geld verdienen zu müssen. in lateinamerika, auf dem afrikanischen kontinent, in den arabischen ländern und vor allem im asiatischen raum, sieht es da schon wieder ganz anders aus. hier kann man es als arbeitgeber ziemlich weit treiben, da ist kinderarbeit noch die spitze des eisberges. aber wo kein kläger, da kein richter.

der arbeitnehmer

in nicht westlichen ländern hat der arbeitnehmer in der regel die arschkarte. hier steht er vor der wahl entweder zu verhungern, oder eben unter den gegebenen bedingungen zu arbeiten. mitspracherecht, arbeitnehmerschutz oder ähnliches, gibt es kaum bis gar nicht.

in den westlichen ländern ist der arbeitnehmer jedoch mehr oder weniger gut geschützt, bzw. wird von einem sozialen netz aufgefangen wenn mal was nicht so gut funktioniert. hier hat man in der regel sehr wohl die wahl. ich muss ganz sicher keinen unterbezahlten job mit miesen arbeitsbedingungen annehmen, denn erstens gibt es vorschriften und gesetze die soetwas unterbinden und zweitens sehe ich zum glück nicht dem hungertod ins auge. mir geht es finanziell zwar nicht gerade hervorragend, aber es wird nicht lebensbedrohlich.

doch diese für den arbeitnehmer günstigen bedingungen werden immer weiter unterwandert. teilweise sogar mit unterstützung, oder auch nur mit billigung des staates, bzw. staatlicher institutionen. ich erinnere nur an den fall amazon vor ca. eineinhalb jahren. hier wurden arbeitskräfte aus ganz europa damit geködert, dass sie einen job beim rennomierten arbeitgeber amazon in deutschland bekommen. also wurden aus ganz europa tausende menschen nach deutschland gekarrt, denn hier erwartete sie ja das vermeintliche arbeitsparadies. was sie dann jedoch erwartete war kein job bei amazon, sodnern sie wurden über leiharbeitsfirmen angestellt, natürlich auch nicht zum ursprünglich versprochenen lohn, sondern mit kürzungen um über 10%. diese leiharbeiter wurden in ferienlagern in bungalows zusammengepfercht, bekamen dort zwar auch ihre verpflegung, doch dafür wurde ihnen noch einmal der lohn gekürzt, und zwar ohne dies gesondert auf dem lohnzettel auszuweisen. freizeit gab es im prinzip keine, es gab ja nicht einmal privatsphäre, weil man auf schritt und tritt von securityleuten überwacht wurde, sogar wenn man nicht in seiner unterkunft war, wurde diese immer wieder mal in abwesenheit einfach so "kontrolliert". zustände wie im kz möchte man fast sagen.

und dies alles fand mit hilfe, mit billigung und mit unterstützung der arbeitsämter statt! nun, vielleicht nicht ganz. aber zumindest wurden von den ämtern die grundbedingungen geschaffen.

hier hatten die westlichen arbeitnehmer auch keine wahl. von weiss gott woher herangekarrt, standen sie mitten in deutschland im nirgendwo und standen vor der wahl entweder unter diesen bedingungen zu arbeiten, oder zu sehen, wie sie nun wieder nach hause kommen.

zugegeben, dies ist ein extrembeispiel, doch das muster setzt sich fort. jeder kennt irgendjemanden, der schlechte bedingungen hinnimmt, weil er seinen job nicht verlieren möchte. dass es ihm vielleicht ohne diesen job besser ginge, auf diesen gedanken kommt kaum jemand. oder dass es woanders vielleicht einen besseren gäbe. erst wenn der arbeitgeber niemanden mehr findet der zu diesen bedingungen bei ihm arbeiten möchte, dann wird dieser etwas an den bedingungen ändern. dummerweise findet sich immer jemand....

der konsument

der normale durchschnittskonsument hat durchaus die wahl. er kann sich aussuchen was er einkauft und wo er es einkauft. und trotzdem suchen sich die meisten den bestpreis heraus, auch wenn es gar nicht nötig wäre, denn geiz ist geil und wenn man da und dort was spart, dann geht sich vielleicht auch noch das tablet aus - natürlich auch wieder zum bestpreis.

doch durchschnittskonsumenten gibt es nicht mehr viele. die schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander und der mittelstand verschwindet heimlich, still und leise. was bleibt, ist die große masse jener, die wirklich jeden euro 3 mal umdrehen muss. und ich rede hier noch nicht mal von arbeitssuchenden oder sozialfällen, sondern von jenen, die früher mal als mittelstand galten, die familie mit 2 kindern und einem hund, einem 15 jahre altem auto, und mietwohnung. die familie, in der beide elternteile arbeiten gehen müssen, weil sonst hinten und vorne das geld fehlt. in dieser familie hat jetzt jedoch nicht jeder sein eigenes smartphone, hier hat nicht jedes kind seinen eigenen laptop, hier stehen nicht xbox, playstation und blue-ray player in trauter eintracht unter dem großen flachbildfernseher. nein, hier spielen sich dramen ab wenn der kühlschrank eingeht, weil das geld für einen neuen fehlt, oder somit der urlaub gestrichen werden muss. DAS ist die realität, DAS ist die durchschnittsfamilie!

und warum ist das so? weil beide zwar arbeiten, aber gerade mal den mindestlohn, oder ein bisschen darüber bezahlt bekommen. den ausdruck "working poor" gibt es übrigens nicht erst seit gestern.

und in solchen familien muss man sich halt genau überlegen wie man am besten über die runden kommt. das geht dann eben nur wenn man bei kik und lidl einkauft. und bei amazon.


und wem schieben wir nun die verantwortung in die schuhe?

sicher mal nicht dem konsumenten. es heisst zwar immer, dass nachfrage das angebot bestimmt, aber so ganz stimmt das nun auch wieder nicht. ich brauche kein tshirt um 5,-, ich zahle auch gerne 10,- dafür, von mir aus auch 15,- oder 20,- wenn es ganz besonders toll ist. doch wenn mir das shirt um wenig geld passt und gefällt, dann nehme ich natürlich lieber 2 davon, anstatt nur eines zum doppelten preis. wenn der liter milch hier 80 cent kostet und dort € 1,20, na welche werde ich wohl nehmen? ja klar, wenn ich es mir leisten kann und es mir scdheissegal ist, ob ich für den vollen einkaufswagen 80,- zahle, oder für die selbe menge an den im grunde selben produkten nur 50,-, dann werde ich natürlich zu hochwertigen und regionalen produkten greifen. dann kaufe ich meine kleidung auch nicht im kik, sondern woanders. und wenn es keinen kik oder lidl gibt, dann habe ich eben nur 3 shirts anstatt 10, dann gibts nur 2 mal die woche fleisch, anstatt 5 mal, dann ist mein kaufverhalten völlig anders.

und wenn ich einen normalen job habe mit einem normalen gehalt, so dass ich normal leben kann, dann tue ich das auch. dann hat der handel was davon und somit auch die produzenten. wenn handel und produzent davon profitieren, dann können sie das auch an den arbeitnehmer weitergeben, der das dann wieder in form seines konsumverhaltens wiederum zurückgibt.

so viel zur theorie. doch wie läuft es in wahrheit ab?

in wahrheit traut sich niemand das eingefahrene muster zu durchbrechen. der arbeitgeber traut sich nicht in arbeitskraft und/oder arbeitsbedingungen zu investieren, da dadurch sein produkt teurer wird und er unter umständen nicht mehr konkurrenzfähig bleibt. der arbeitnehmer traut sich nicht zu versuchen seine bedingungen zu verbessern, da er sonst bald auf der strasse stehen könnte. und der konsument MUSS weiterhin dem bestpreis nachjagen, weil er als mindestlohnarbeitnehmer oder sozialfall einfach keine andere wahl mehr hat.

wer von diesen dreien kann es sich wohl am ehesten leisten ein risiko einzugehen? ich sage, es sind zu gleichen teilen der arbeitgeber und der arbeitnehmer. zumindest in der westlichen welt. wer gute arbeitsbedingungen schafft und gute gehälter. bzw. löhne zahlt, der hat zufriedene und somit gute und motivierte mitarbeiter, die ihr geld dann auch wieder für normalpreisige produkte ausgeben. und der arbeitnehmer muss aufhören so zu tun, als ob "arbeit" an sich das höchste gut wäre. nicht die arbeit ist wichtig, sondern das auskommen und die bedingungen zu denen man sich das einkommen verdienen muss. der arbeitgeber wird immer versuchen den billigsten arbeitnehmer zu bekommen, doch erst wenn niemand mehr zu unterirdischer bezahlung arbeiten geht wird sich die bezahlung verbessern. da nützt es nichts wenn wir amazon boykottieren weil dort so unmenschliche bedingungen herrschen, das merkt amazon vermutlich nicht mal. amazon hat aber genau dann ein problem, wenn sie keine lagerarbeiter mehr bekommen. ganz einfach. genau so ist es auch bei kik und lidl und was weiss ich wer sonst noch auf der schwarzen liste steht.

ich weigere mich vehement mir als konsument die verantwortung für schlechte arbeitsbedingungen zuschieben zu lassen! ich weiss ja oft genug nichts davon! und ich habe nun wirklich keinen bock vor jedem einkauf den ich irgendwo tätigen möchte (oder muss) erst mal zu recherchieren. nicht ich schaffe die schlechten arbeitsbedingungen, sondern der arbeitgeber. und der arbeitnehmer nimmt sie hin. nur weils ein shirt um 5 euronen gibt und ich es kaufe, heisst das doch noch lange nicht, dass ich nicht auch eins um 10 euro kaufen würde, wenns keins um 5 gibt. und wenn 5.000 spanische leiharbeiter bei amazon mitten im wiehnachtsgeschäft im lager stehen und gemeinschaftlich sagen "leck mich am arsch, such dir doch andere deppen die zu diesen bedingungen arbeiten wollen", dann wäre amazon am zug, und nicht ich als konsument. dann zahl ich halt 2,50 versandkosten, was solls? ich kaufe ja sowieso hauptsächlich nur gebrauchte bücher um ca. 1 euro das stück. scheiss drauf. dann sinds halt nur 10 bücher statt 13....

Donnerstag, 27. März 2014

SCHATTENSPRINGENDES FUCHSKIND

heute mache ich es mir schon wieder einfach, indem ich euch das +Fuchskind vorstelle.

ihre cartoons, die auf ihrer website http://www.fuchskind.de zu finden sind, kenne ich schon längere zeit. mir gefielen diese cartoons, und wie das nun mal so ist, fing ich an ihr zu folgen. irgendwann bestellte ich sogar ein tshirt mit herrlich nerdigem motiv in ihrem webshop.

und dann entdeckte ich ihren comic "schattenspringer". ich war hellauf begeistert! nicht nur wegen des themas, sondern auch wegen des humors, den ich ja eigentlich schon von ihren cartoons kannte. es ist kein vordergründiger schenkelklopfender humor, es sind subtile dinge, wie zum beispiel beim bild der karte des noch in west und ost geteilten berlin, in dem der westliche bär "grrrr" macht und der östliche mit "selber grrrr" antwortet.

nun ist dieser comic tatsächlich endlich auch in papierform erschienen (inklusive einem im webcomic nicht veröffentlichten kapitel) (ach, und teilweise in buuuuuuunt!) und ich wünsche dem fuchskind den allergrößten erfolg ever. ich kann sie leider nicht großartig unterstützen, ausser irgendwann mal endlich das comic zu kaufen, meiner lokalen bücherei einzureden, dass es eine gute idee wäre diesen comic ins sortiment aufzunehmen und sie EUCH hier vorzustellen.

also, hier das comic kaufen (es muss ja nicht immer amazon sein), vielleicht auch in ihrem webshop vorbeischauen und dort kräftig anderes zeugs einkaufen und natürlich die botschaft weiterverbreiten.

und hier habe ich noch ein interview für euch: *klick mich*


Mittwoch, 26. März 2014

DINGE DIE EIN ECHTER TIROLER NIE SAGEN WÜRDE


hierdurch inspiriert stelle ich euch die tiroler variante vor:

ein Speckknödel ist genug
die neuen nachbarn sind aber mal nett
ich wohne in kitzbühel
oachkatzlschwoaf
wienerisch ist ein schöner dialekt
ich lebe ab sofort vegan
das waren sehr nette gäste, hoffentlich kommen die bald wieder
ich lasse dir sehr gerne den vorrang
mehlspeisen ersetzen ein vollwertiges mittagessen
ich möchte mir die welt ansehen
fremde kulturen finde ich faszinierend
ich brauche kein auto
ich bin skilehrer
magst einen prosecco?
endlich wieder eine tv-serie die in wien spielt
ohne das ständige rauschen der autobahn würde mir was fehlen
(männer) kein sex vor der ehe
(frauen) kein sex mit italienern
die steiermark ist auch ein schönes bundesland
ich bin fpö wähler
kein bier vor vier
sepplhut
tschüss
eigentlich schmeckt mir mcdonalds ja doch
ich kann doch nicht einfach so in der öffentlichkeit auf die strasse pinkeln, auch wenn ich noch so betrunken bin
ein kännchen kaffee bitte
frauen mit kopftüchern bereichern unser strassenbild

.... das ließe sich natürlich beliebig fortführen. neue vorschläge nehme ich gerne entgegen.

Dienstag, 25. März 2014

DIE HOMÖOPATHIE KENNT EIN MITTEL FÜR MENSCHEN DIE ZU MUSIK WEINEN

"die homöopathie kennt ein mittel für menschen, die zu musik weinen" - diese aussage tätigte so, oder so ähnlich, vor langer zeit ein radiomoderator, nachdem er ein besonders melancholisches stück gespielt hatte. ich weiss nicht mehr wann das war, auch nicht mehr wer es sagte und erst recht nicht mehr um welches musikstück es sich handelte.

ich habe recherchiert, dieses mittel gibt es tatsächlich und nennt sich thuja occidentalis. es soll auch gegen eine reihe anderer beschwerden wirksam sein. nun, mich wundert das ehrlich gesagt wenig, denn die homöopathie kennt irgendwie für, bzw. gegen alles ein mittelchen, ist doch die wirksamkeit homöopathischer anwendungen wissenschaftlich nicht nachweisbar, demnach also auch nicht widerlegbar. aber dies soll jetzt keine homöpathiediskussion werden.

mir hat sich diese eingangs zitierte aussage im laufe der zeit tief eingeprägt, denn es passiert mir tatsächlich immer wieder, dass mich musik aus heiterem himmel dermaßen berührt, dass mir tränen über die wange kullern. und jedes mal muss ich an diesen seltsamen satz denken. dabei halte ich nichts von homöopathie, wie man sich vermutlich denken kann.

musik, die mich dermaßen mitnimmt, muss nicht unbedingt traurig oder melancholisch sein, auch wenn sie es in den meisten fällen tatsächlich ist. sie muss auch nicht wunderschön sein. ich kann eigentlich überhaupt nicht genau sagen was es ist, das mich zu bestimmten stücken nahe am wasser bauen lässt, ich weiss nur, dass es so einige stücke gibt, bei denen es mir immer wieder passiert. vielleicht nicht jedes mal, aber dennoch fast immer.

es sind auch nie traurige tränen, sondern eher glückstränen, es ist mehr eine art unbändige freude über die schönheit, oder, wenn man so will, über die erhabenheit eines stückes, obwohl in den meisten fällen nur sehr wenige menschen meine ergriffenheit nachvollziehen können. wie denn auch? ich kann es ja selbst nur selten.....

ich könnte hier jetzt eine reihe von beispielen anführen, möchte jedoch stellvertretend nur die folgenden zwei hier vorstellen:






Montag, 24. März 2014

ÜBERGANGSZEITEN

heute hat es geschneit! genauer gesagt hatte es über nacht geschneit und heute morgen immer noch bis in den vormittag hinein. ich erwähne das deshalb, weil es erstens bereits ende märz ist und zweitens es den ganzen winter lang kein einziges mal so schön geschneit hatte wie heute. zumindest bei uns nicht.

es heisst ja immer der april ist so schrecklich mit seinem wetter, dabei kommt mir der märz viel schlimmer vor. am einen tag ist man mit kurzen hosen und tshirt unterwegs, am nächsten packt man wieder die schneeschaufel aus. im april regnet es wenigstens nur, im märz wird man unter umständen noch einmal eingeschneit.

ich erinnere mich noch genau als ich vor zwölf jahren mitte märz ca. 300km zu einem einwöchigen seminar fahren musste. als ich losfuhr regnete es, je weiter ich kam, desto schlimemr wurde es und gipfelte dann in einem ausgewachsenen schneesturm. ich war heilfroh als ich in meinem hotel am ziel ankam. ich war dort ja auch noch zum ersten mal und musste erst mal den weg finden. aber ich hatte es glücklich geschafft und genoss dann den abend mit hotelessen, badewanne und tv im zimmer.

vor ca. 30 jahren schneite es uns tatsächlich über die osterfeiertage ein. aber das war nun auch kein kunststück, wir befanden uns im elternhaus meines vaters und das liegt irgendwo auf über 1.000 meter. jedenfalls wurde die auffahrt zum haus nicht geräumt und er musste das selbst erledigen. nachdem es da steil bergauf ging und diese auffahrt ungefähr 200 meter lang war,d auerte das seine zeit. insgesamt 3 tage wenn ich mich recht erinnere, denn es lag nicht wenig schnee. in meiner erinnerung war der schnee genau so hoch wie ich groß war. vermutlich täuscht mich da meine erinnerung, aber es war trotzdem nicht wenig.


diese übergangszeit im frühjahr ist oft ziemlich anstrengend. den übergang von frühling auf sommer bekommt man ja kaum mit, ob es draussen nun 20, 25 oder 30° hat, ist relativ egal, man geht auf alle fälle mit kurzen ärmeln raus. irgendwann ists halt irgendwie ziemlich heiss und man kommt drauf, dass sommer ist. aus dem sommer wird auch genau so schleichend herbst. die blätter verfärben sich und irgendwann ist es halt zu kalt für kurze ärmel. und irgendwann schneit es dann auch mal, dann haben wir endlich winter.

nur der übergang von winter zu frühling findet immer mit viel getöse statt. von eienr woche auf die andere, ja oft von einem tag auf den anderen herrschen nahezu sommerliche temperaturen. man freut sich und rennt fast halbnackt herum und *BAMM* auf einmal schneit es wieder und es ist fast kälter als an den meisten tagen im winter. so geht das 2-3 mal hin und her und auf einmal haben schwimmbäder und eisdielen geöffnet, dabei hat man gerade erst von winter- auf sommerreifen gewechselt und letzte woche noch den parkplatz freigeschaufelt....

Sonntag, 23. März 2014

GASTBEITRAG: VON SCHWANGERSCHAFT, KINDER KRIEGEN UND KINDER, ÄHM, "BEHALTEN"

heute habe ich einen gastbeitrag für euch.

der text stammt von einer lieben freundin die ich schon gefühlte tausend jahre aus dem netz kenne, und als ich heute zu ihr meinte "oh himmel, oh gott, ich habe ja noch gar keinen blogbeitrag geschrieben", dabei virtuell total panisch mit den händen fuchtelte und hibbelig auf- und ab hüpfte, meinte sie, dass sie mir gerne mit einem ihrer texte aushelfen würde.

nein, das war jetzt leicht übertrieben, ganz so wars nicht. und im gegensatz zu mir, neigt christina ja überhaupt nicht zur übertreibung.....

christina hat übrigens ihre eigene website, über besuch von hier aus freut sie sich sicher.

nun aber zum gastbeitrag:




Schon die ganze  Schwangerschaft war vollkommen unkompliziert. Bis auf die Tatsache, dass ich schon nach wenigen Wochen eine Kugel in Medizinballausmaßen vor mir her geschoben habe, hatte ich überhaupt keine „ich –bin-schwanger-Gefühle“ *kopfkratz*
Zugegeben hat mir das damals leichte Sorgen bereitet. Heute weiß ich, dass ich zu den glücklicheren Exemplaren Frau zähle, sofern man das so nennen kann. In Bezug auf eine Schwangerschaft darf man das aber ganz bestimmt so formulieren.

Mir war kein bisschen schlecht, ich hatte weder Eisen- noch Magnesiummangel, ich litt nicht an Blutarmut, zum Leidwesen aller sonstigen Beteiligten auch nicht an Antriebsschwäche und meine Fressattacken waren schon mit einer Currywurst hier und einem Eisbecher da befriedigend abgehandelt. Also genauer gesagt: NIX war – außer, dass ich eben ein bisschen schwanger war. Nie im Leben wäre ich auf die Idee gekommen, nicht mal zehn Pferde hätten mich dazu gebracht, etwas kürzer zu treten. Warum auch?

Zu Anfang haben mich die anzüglich wissenden Blicke, mit welchen ich an jeder Kasse in der Schlange nach vorn geschleust wurde, noch etwas genervt. Des Öfteren habe ich mir die Frage gestellt, ob die eigentlich noch alle ganz sauber ticken? SO schwer ist ein Medizinball nun auch wieder nicht! Vor allem, wenn man ihn an einer so derart günstigen Stelle trägt… pfffff! Aber okay.. das war nun halt mal so. Nachher bin ich dazu übergegangen, ein leidendes Gesicht aufzusetzen und mich gleich VORN anzustellen. So ungefähr wie auf der Autobahn… rechts überholen, an allen vorbei und dann kurz vor’m Spurende blinken, lächeln, Schultern zucken und rüberziehen.  Hat  mir im Grunde viel Zeit gespart, die ich allerdings, und hier muss ich mal ganz ehrlich sein, eigentlich überhaupt nicht gebraucht habe.

Die gefühlten 25 Wochen Mutterschutz VOR der Geburt, waren die reinste Tortur! Was ich nun genau den ganzen Tag mit all den vielen Stunden zusätzlicher Zeit anfangen sollte, war mir kein bisschen schlüssig. Nachdem ich das ganze Haus vom Keller bis zum Speicher geputzt und gewienert hatte, und hier sogar soweit gegangen bin, die Wäscheleinen neu zu spannen, die Kühltruhe abzutauen, die Fugen der Badfliesen neu zu weißen usw… wusste ich mit mir nun überhaupt nix mehr anzufangen. Uahhhhhh! WAS, um Himmels Willen, machen denn andere Weibchen so, wenn sie zu einer solchen Medizinball-Auszeit-Quarantäne verdammt sind? Okay.. ich könnte spazieren gehen. Das soll ja gesund sein. Also renne ich dummes Schaf stundenlang im Wald rum, mache mir meine Schuhe dreckig, erkenne bald jede Rotwild-Kuh im Tiergehege an der Zeichnung, weiß wieviele Schritte ich machen muss, bis ich vom Feldweg hinter unserem Haus zum Freiluftfetischisten Sammelpunkt „steig aus und wandere“ benötige, langweile mich tödlich und weiß überhaupt nicht so richtig, warum ich das jetzt alles mache…

So geht das nicht!

Zu einem endgültigen Umdenken in dieser Richtung haben mich dann die besorgten Blicke UND die ständig geäußerten Bedenken „DU warst aber lange weg!“ gebracht. Pffffff! Hallo??? Seit wie vielen Jahren ungefähr darf ich schon allein aus’m Haus und ohne Aufsichtsperson rumlaufen? Ohmann!

Also besinne ich mich auf das, was ich immer schon gerne gemacht habe und dieser Leidenschaft bislang eigentlich immer nur in mehr oder weniger gebremster Form frönen konnte: LESEN.

Damit das Ganze jetzt nicht ZU vergnügungssüchtig wirkt, decke ich mich mit allen möglichen und unmöglichen Schwangerschafts- Erziehungs- und sonstigen Psychologischen Notfällen bezüglich der Famlienvermehrung zum Thema geschriebenen Literatur ein. Mein mir angeborenes logisches Denken gibt hier schon vor, dass ich mit der Schwangerschaft anfange. Hätte ich DAS mal bloß sein lassen. Jetzt erst weiß ich, was ich alles falsch gemacht habe. Ohgott! Das arme Kind! Während dieser bislang inzwischen ungefähr vergangenen +-30 Wochen oder so *augenrollt* habe ich konsequent nicht geraucht. Alkohol trinke ich sowieso keinen. Aber sonst?? Achduscheiße! Ich möchte nun nicht gerade so weit gehen zu behaupten, mein Kind kann sicher in Kaffee baden, aber das ein oder andere Tässchen war ganz  bestimmt zu viel des Guten. Das würde dann evtl. auch erklären, warum ich immer noch so hibbelig bin. Mal ehrlich… DAS ist doch der absolute Nonsens! Jetzt ist mir klar, warum manche Weibchen (weiß ich allerdings nur vom Hörensagen- vom mir behutsam näherbringenden Einsehen sollen usw.) oftmals nur träge herumliegen- sitzen- vegetieren und warten, dass diese leidgeplagte Zeit endlich vorüber geht! Die haben alle Koffein-Entzug! Nix da! Nun isses sowieso zu spät.

Ich mag auch alle möglichen sonstigen Genussmittel, wie Kohl, Chilli, Orangen und son Zeuch. Wobei… ich glaube mich dunkel zu erinnern, dass man das nur nicht haben darf, wenn man schon geboren hat und als Nahrungsquelle dient. Sicher bin ich aber nicht. Jedenfalls habe ich diese Absätze dann nur noch lieblos überflogen. Wie gesagt: iss sowieso zu spät.

Von der Geburt selbst will ich überhaupt nix wissen. DAS Thema lasse ich ganz bewusst außen vor – das geht mich noch nix an. Mit der natürlichen Selbstüber- und Einschätzung ausgestattet, dass das schon tausenden, abertausende, gar Milliooooonen von Frauen vor mir hingekriegt haben, sehe ich keinen logischen Grund, warum ich das jetzt nicht gebacken kriegen sollte. Pffffff! Sogar meine mini-Schwägerin, an der wirklich so ziemlich alles kleiner ist, als an „normalen“ Menschen, hat DAS zwei Mal geschafft. Also kriege ich das auch hin. Im Übrigen ist meine eigene Mutter auch nicht gerade eine Große. Ja, okay.. groß isse schon – aber halt nicht lang genug. Thema durch… das nächste bitte.

Gewissenhaft lese ich mir alle guten Tipps, Ratschläge und Dogmen, bezüglich der frühkindlichen Entwicklung und der dazugehörigen elterlichen Hilfestellung durch. Ich weiß ganz genau, was, wenn auch nur evtl. auf mich zukommen wird. Ich bin sowas von gewillt und motiviert, all diese angedrohten „Phasen“ gelassen und pädagogisch wertvoll, das Kind in seiner Entwicklung nicht einschränken wollend und somit förderlich zu wirken zu meistern. Hachja.. ich höre mich schon im Zwergentreff säuseln: „die orale Phase haben wir sehr gut überstanden“ – „die fremdel-Phase war für UNS überhaupt kein Problem!“  - „Die Troz-Phase hat uns alle ziemlich weitergebracht“ … ähm.. ja!

Hier hatte ich allerdings die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Wobei.. der Wirt BIN ja noch ich! Naja, egal. Jedenfalls war meine dann später anwesende Tochter Miriam in keinster Weise auch nur irgendwie gewillt, überhaupt irgend eine Phase zu durchleben. Jedenfalls nicht so, wie ich mir das zurechtgelegt hatte. Diese ominöse orale Phase muss das Kind durchgemacht haben, während ich mal eben schnell in der Küche war, um frischen Kaffee zu holen. Als ich zurück kam, war’s auch schon vorbei. Schöner Mist! Wieder einen Meilenstein in der Entwicklung meines Sonnenscheinchens verpasst! Gefremdelt hat das Kind –ooohja! Allerdings nicht phasenweise, sondern dermaßen konsequent, dass mir hier kein einziger Ratschlag in der Vor-Geburts-Ära weitergeholfen hätte. Heute weiß ich, dass dieses Verhalten absolut dem Wesen meiner Tochter entspricht. Wenn sie was macht, dann richtig – oder halt überhaupt nicht – je nachdem.

Wann jetzt so genau diese Trotz-Phase war, weiß ich auch nicht mehr so ganz hundertprozentig genau. Da kann ich nur schätzen… Vielleicht während das Kind mit dem Opa im Kinderwagen im Wald unterwegs war? Äh… also nicht der Opa war im Wagen, der hat geschoben. Stundenlang, geduldig, singend, erklärend und für das Kind unvermeidbar einschläfernd. Bis der Opa mit seinen Survival-Ausflugs-Touren angefangen hat, wusste ich auch noch nicht, WIE wichtig ein geländegängiger Buggy sein kann! Son schickes, buntes, leichtes Teil, welches man sich notfalls mal eben ruck-zuck, mir nix dir nix unter den Arm klemmen kann, kam für uns überhaupt nicht in Frage. Das hätte der Opa ja innerhalb von einem Tag zu Schrott geschoben! WER bitte sagt auch, dass man mit Kindern nur auf erkennbaren Wegen flanieren darf/kann/sollte? Dem Opa war das wurscht. Der ist einfach querfeldein gelaufen, um dem Kind dann einen besonders geschichtsträchtigen Ort zeigen zu können, die dazugehörige Geschichte zu liefern, die Hugenotten, Römer und sonstige Eroberer-Horden mit einbeziehend, stundenlang geduldig dem schlafenden Kind dargebracht (glaube ich jedenfalls) Aller Wahrscheinlichkeit nach, hat das Kind 90% davon einfach verschlafen. Und in den übrig gebliebenen 10% muss dann irgendwann diese Phase zu Tage getreten sein. Erzählt hat der Opa davon nix. Aber das ist sowieso, Kinder betreffend, der geduldigste Mensch, den ich kenne. Entweder ist dem das einfach entgangen, oder er hat dem keine große Beachtung geschenkt. Ich jedenfalls habe eine weitere, wichtige Entwicklungsstufe verpasst. Hmpf!

Aber nun kommt’s…

KEIN Mensch, nicht ein einziges Buch, kein Ratgeber oder sonstiges klugscheißerisches Heftchen hat mich auf  DIE Phase auch nur annähernd vorbereitet, die unsere Miriam dann mit Nachdruck und absolut vehement, sowie konsequent durchlebt hat. Diese zog sich dann aber über Wochen weg. Die konnte man überhaupt nicht verpassen- so gern man auch gewollt hätte. Ich spreche von der „und-waruuuuuuum??-Phase!“  OH mein Gott! Das war so ungefähr der Zeitpunkt, als meine inzwischen heißgeliebte etwas dicklich anmutende, bebrillte Sozialpädagogin in Reihe vier Platz genommen hat. *stöhnt* DIE Tusse hat mich auch Nerven gekostet- ehrlich! Dieser Satz: „und waruuuuum?“ löst bei mir heute noch, nach vielen Jahren, eine Art Herzrasen und den Anflug von Schweißbildung aus. Dieses Mistding von Satz passt aber auch überall hin! Und das Schlimme daran ist, dass alle, einschließlich meiner Tochter, sowie mir, irgendwie implizieren, dass man eine so konkret gestellte Frage doch schlicht und einfach beantworten kann/muss/sollte….

Der Auslöser für einen solchen Frage-Marathon ist mitunter ganz schlicht und unspektakulär. Wir Jung-Muttis, immer im Rudel auftretend, allesamt vor Stolz platzend ob des schönsten Kindes innerhalb dieses Verbundes, sitzen ganz entspannt im Eiscafè und geben uns hemmungslos der Dekadenz hin, mitten am Tag, bei hellem Sonnenschein, müßig im Freien zu sitzen und uns Köstlichkeiten einverleibend, die angenehmen Seiten einer solchen Mutterschaft zu genießen. Die Kinderchen spielen gar lieblich zu unseren Füßen, ca. ein bis zwei Treppenstufen unter unserem Sitzplatz, geschätzte 10m von der nächsten Straße entfernt. Also alles gaaaaaanz relaxed! Abgesehen davon, dass hin und wieder eine von uns wie elektrisiert aufspringt um dem Mittelpunkt ihres Universums ein Schlückchen ungesüßten Tee zukommen zu lassen, prüfend die Nase an den klitzekleinen Allerwertesten zu halten und sonstiger Nichtigkeiten, welche aber zu dem Zeitpunkt die Welt bedeuten.

Dem natürlichen Forscherdrang eines Kindes entsprechend, dehnen die kleinen Rüpel ihren Aktionsradius immer mehr aus – Richtung Straße, versteht sich von selbst. Um jetzt keinen überbesorgten Muttertier-Eindruck zu machen, lasse ich den anderen Muttertieren hier erziehungstechnisch den Vortritt. Jedenfalls so lange, bis mein eigenes Goldstück sich schnurstracks, zielstrebig und unbeirrt in Richtung Straße aufmacht. Schwupps!.. so schnell kann das Kind sicher noch nicht mal denken, hab ich’s geschnappt, auf meinem Schoß plaziert und proklamiere vor mich hin (mir natürlich dem gesamten, aufmerksam lauschenden Publikum bewusst) dass sie doch bitteschön NICHT auf die Straße laufen soll. … Achtung: „Und waruuuuuuuum????“  - Ähm!
Okay.. das ist noch leicht. „Weil Du sonst von einem Auto überfahren wirst. Manche Autofahrer sind so schnell, dass sie ein so kleines Kind erst dann sehen, wenn es schon zu spät ist“ *lächel* (Das hab ich GUT hinbekommen *find*)
„Und waruuuuuuuum????“    Ähm! Und warum WAS???
„Warum die dich vielleicht überfahren könnten, oder warum die so schnell fahren?“  (NOCH bin ich gewillt, das Ganze pädagogisch wertvoll zu meistern. Die milden Blicke meiner Mit-Jung-Mütterschaft bestätigen mich in meiner Annahme, dass ich das wieder mal ganz hervorragend mache)
Mein Kind strahlt mich an.. haaach! Scheinbar keine weitere Antwort von Nöten. Es springt mir vom Schoß und wackelt von dannen. Für die Dauer von Sekunden suhle ich mich in meinem Erfolg. So lange, bis ich entdecke, dass das Kind genau wieder auf der gleichen Spur segelt, von welcher ich es eben, sozusagen unter Einsatz meines Lebens, zumindest meines Selbstbewusstseins, errettet habe.

Schwuppps! Kind geschnappt.. das Ganze von vorn.
„MIRIAM! Du sollst doch bitte nicht auf die Straße laufen. Denk doch an die Autos!“
„Und waruuuuuuuum????“  Hääääääh?
Einen ergebenen Seufzer voranschickend, wiederhole ich die gesamte Erklärung, sofern sie mir noch vom Wortlaut her im Gedächtnis geblieben ist.
„Weil Du sonst von einem Auto überfahren wirst. Manche Autofahrer sind so schnell, dass sie ein so kleines Kind erst dann sehen, wenn es schon zu spät ist“ *lächel* (Das hab ich nochmal GUT hinbekommen *find*)
„Und waruuuuuuuum????“   Okay.. darauf war ich jetzt gefasst. Das bringt mich KEIN bisschen aus der Ruhe! Ich entschließe mich dazu, einfach irgendwas zu erklären, auch wenn das Kind seine Frage immer noch nicht recht konkretisiert hat.
„Manche Autofahrer haben offensichtlich vergessen, oder denken einfach nicht daran, dass hier auch manchmal Kinder spielen. Und wenn sie dann so schnell fahren, dass sie nicht mehr rechtzeitig reagieren können, um so einem kleinen Wurm wie dir ausweichen zu können, kann es passieren, dass mal ein Kind angefahren wird“  *stolzguckt*
Vollkommen verständnisloser Blick aus zwei hellblauen, wunderschönen Kinderaugen, den Mund langsam und bedächtig öffnend:
„Und waruuuuuuuum????“   Ohmann!


Meine „Leidensgenossinnen“ – die sich zugegeben sicher schon königlich amüsieren, weil klein Laura schon auf den ersten Satz: „LAURA! NICHT auf die Straße!!“  ergeben den Rückmarsch antritt. Klein Jaqueline auf „hey pssssst!“ schon reagiert und klein Nils überhaupt niemals etwas von alleine in Angriff nehmen würde, lauschen unserer Diskussion andächtig. Ich meine sogar sowas wie latente Schadenfreude erkennen zu können, aber naja…
Leichter Tumult in meinem Kopfpublikum (DAS auch noch!) und ich habe mich schon wieder im Griff.

„Ähäm, ja. Also, Miriam… Sei doch bitte so lieb und geh NICHT auf die Straße. Das ist einfach gefährlich und Mama hat Angst, dass dir was passiert) (Ich lehne mich jetzt mal, wenn auch nur ganz locker, an die Ausführung von Mama-Laura an. Vielleicht klappt’s ja)
Das bemitleidenswerte Kind, solche lapidaren Kurzansagen überhaupt nicht gewöhnt, senkt ergeben den Kopf und denkt… denkt… denkt. Und dann:
„Und waruuuuuuuum????“   Himmel! Kann das Weib (und hier ist deutlich erkennbar, dass mal eins draus werden wird, nicht einfach mal SO akzeptieren, was ich von mir gebe, häh?)
Nochmal tief Luft holend, geduldig lächelnd setze ich erneut an:
„Du SOLLST bitte NICHT auf die Straße laufen!“  Kürzer geht’s nicht. Und eigentlich ist der Sinn und die Aussage dieses Satzes, selbst lasse ich alle Interpretationsmöglichkeiten von Thun und sonstigen Koryphäen außer Acht, absolut schlüssig. Diesmal braucht mein Engelchen nicht mal die Zeitspanne während ich Luft hole, um freudestrahlend zu schmettern:
„Und waruuuuuuuum????“ 
Ich ignoriere ALLE! Meine Mit-Mütter, das gesamte Eiscafè-Publikum, den Tumult in meinem Kopfkino, wo auch schon eine lebhafte Diskussion darüber entbrannt ist, wie man das jetzt am besten löst und sage:
„WEIL ICH DAS SAGE!“
Und siehe da… nichts weiter! Das Kind hoppelt von meinem Schoß, setzt sich brav auf die Freifläche vor den Tischen und spielt…  häääääh?

Die missbilligenden Blicke von überall her –innen und außen sind mir in dem Moment, man möge mir verzeihen, scheißegal!
Mein Kaffee ist zwar Kalt, die Dekadenz leicht angekratzt, das Ansehen innerhalb der Mütterschaft um mindestens 12 Punkte auf der Richterskala gesunken und auch sonst hat mein erziehungstechnisches Weltbild einen mächtigen Knacks eingefahren… aber: ich habe was gelernt. Man kann sich Vieles auch erheblich erleichtern, wenn man selbst handelt, anstatt allen imaginären Fachleuten Glauben zu schenken.

Beim Tobi habe ich mit diesem stundenlangen erklär-Blödsinn überhaupt nicht erst angefangen. Die Kindheit und der zugegeben gebremster Entwicklungsdrang dieses Kindes wird überschattet von dem Satz: „WEIL ICH DAS SAGE“ – Ende!
Nicht, dass ich hiermit das Allheilmittel gefunden hätte. Der Tobi hat andere Mittel und Wege gefunden, mich erneut ins Grübeln zu bringen. Aber in dem Belang konnte ich schon mal einen Sieg einfahren.




Samstag, 22. März 2014

GENERATION KRASS

hin und wieder stolpere ich zwischen all meinem hochkulturellen, multiintellektuellen und extremwissenschaftlichen zeug das ich sonst so lese und verfolge auch über reinstes revolverblattmaterial und dubioses boulevardgetuschle. ich mache das jedoch absichtlich, ich möchte ja wissen, wie es in der echten welt da draussen wirklich zugeht, damit ich weiss wie ich mich richtig zu benehmen habe um nicht aufzufallen.

heute flatterte mir ein diesbezügliches kleinod in die hände, respektive auf den bildschirm. es handelt sich um einen öffentlichen brief eines beinahe-c-prominenten, genauer gesagt um den dsds kandidaten patric. die art und weise wie dieses schriftstück verfasst wurde, gibt mir erschreckend klaren einblick in die gedankenwelt der heutigen generation, die ich hiermit offiziell als "generation krass" betiteln möchte.

es folgen nun einige auszüge aus diesem, ähm, machwerk, die ich kommentieren werde:

"ich habe jetzt lange lange und viel mit mir kämpfen müssen bis ich vom Kopf her an diesem Punkt stehe."

und hier geht es auch sofort mit kindergartensprache los. warum schreibt patric nicht "ich musste sehr lange mit mir kämpfen" anstatt "ich habe jetzt lange und viel mit mir kämpfen müssen"? das wäre sehr viel eleganter und nicht so holprig. und was will uns der betreffende mit "bis ich vom kopf her an diesem punkt stehe" sagen? er macht kopfstand? er steht mit seinem kopf irgendwo rum? vermutlich meint er "bis ich gedanklich so weit (oder auch: an diesem punkt angelangt) war".

"Vorher will ich sagen, das ich allen von Herzen dankbar für diese unvergessliche, hammer Zeit bin und für alle die tollen Menschen die ich kennenlernen durfte."
was ist hier nun mit "vorher" gemeint? wenn dieser satz an zweiter stelle steht, ist es nicht mehr "vorher", wenn danach noch etwas kommt (und des kommt noch viel!), dann sollte man sich doch auch darauf beziehen. darauf, dass hier "das/dass" falsch geschrieben wurde, gehe ich besser erst gar nicht ein. dazu passt auch, dass dem verfasser nichts besseres als "hammer zeit" einfiel, um eine schöne, wundervolle, tolle, gute, aussergewöhnliche oder sonstwie für ihn besondere zeit zu beschreiben. als ich jung war, war alles "geil", dann wurde alles "super", später "mega" und nun ist alles einfach nur "hammer". das weckt in mir die assoziation, als ob jene, welchen diesen hilfsausdruck mangels besseren wortschatzes verwenden, irgendwann einmal diesen gegenständlichen hammer auf den kopf bekommen hätten. zudem weckt es in mir das verlangen ihnen diesen hammer mitten in die fresse zu klatschen. hammermäßig halt.

"Ich hoffe, das was jetzt kommt, wird mir nicht zu übel genommen!"
keine bange, was bisher kam reicht schon völlig aus!

"(...) und jetzt habe ich für mich selber gemerkt, das dieser Weg nicht meiner ist."
wir haben hier zunächst einmal wieder das falsche "das/dass". ich wundere mich jedoch vor allem darüber, ob man auch für jemand anderen etwas merken kann, wenn man schon betont, dass man für sich selber etwas merkt? "ich habe gemerkt (oder auch bemerkt)" hätte völlig genügt.

"Da mich meine Mom angemeldet hat"
warum zur hölle, nennt man seine eigene mutter in einem schreiben, von dem annehmen kann, dass es im gesamten deutschsprachigen raum veröffentlicht werden wird, ganz flapsig "mom"? würde man auch "meine sis, mein bro, mein dad" schreiben? vermutlich schon, wer "meine mom" schreibt, der schreibt auch "meine sis". mir ist schon klar, dass man umgangssprachlich gerne mal die aus diversen amerikanischen tv-serien und filmen gebräuchlichen ausdrücke verwendet. vermutlich hört der durchschnittliche tv konsument in seinem leben öfter "mom" und "dad" als "mutter" und "vater", aber um himmels willen, diesen ausdruck verwende ich doch nicht in einem offiziellen schreiben, auch wenn der inhalt noch so persönlich sein mag!

"Ich hätte nie gedacht, das mir das so krass schwer fällt."
ja, wir haben hier wieder das falsche "das/dass" (rechtschreibung ist wohl eine geisel unserer zeit). und wir haben hier ein "krass". neben "hammer" ist "krass" wohl eines der schlimmsten eigenschaftswörter der jüngeren geschichte. wer dieses wort verwendet outet sich sofort als proll unterster liga. wem ausser "krass" nichts anderes einfällt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. dabei wäre es so einfach, man müsste es nur durch "sehr" ersetzen, oder einfach weglassen - und schon wird aus ghettosprache normales deutsch.

es gäbe noch einige (viele!) andere kleinigkeiten über die ich mich hier auslassen könnte, zum beispiel darüber, dass es sich hier um einen brief mit persönlicher anrede handelt, in solch einem brief wird jedoch jegliche persönliche anrede groß geschrieben, was in diesem fall jedoch konsequent vermieden wurde, aber ich denke, ich habe diesem armen kerl schon genug eins hammermäßig über den scheitel gezogen.

warum rege ich mich überhaupt darüber auf?

weil es mich traurig stimmt, dass jemand, der im licht der öffentlichkeit steht, nicht fähig ist, sich halbwegs zivilisiert unter einhaltung von grammatik und rechtschreibung zu artikulieren. die dsds kandidaten bekommen für jeden erdenklichen scheiss coaches zur seite gestellt, wenn einem von ihnen das klopapier zu hart ist, dann wird es gegen weicheres eingetauscht, aber wenn jemand solch einen brief verfasst, dann findet sich niemand der vor der veröffentlichung noch einmal drüber liest??????

krass!


STADTERWACHSENER

Ich bin ein stadtkind!

zugegeben, ich wohne am land, in der provinz, in den bergen, in der pampa… wie auch immer man es nennen mag, fest steht, ich wohne keinesfalls in der stadt. sagen wir einfach ich bin ein stadtkind im geiste. oder ich wäre nur gerne ein stadtkind. naja, ein stadterwachsener wohl eher.

woher ich das wissen will, wo ich doch am land wohne? nun, erstens kam auch ich des öfteren in den genuss in städten nächtigen zu dürfen, meistens in hotels natürlich, hin und wieder aber auch bei bekannten, verwandten oder freunden, zweitens habe ich selbst auch schon in stadtähnlichen gebieten gewohnt. zwar nur kurz, aber doch.

ich finde es in städten kuscheliger. alle welt spricht von der kalten anonymität die in städten herrscht, doch ich empfinde das ganz und gar nicht so. es mag vielleicht anonymer zugehen, das stimmt schon, aber ich habe links und rechts nachbarn, über mir und unter mir, manchmal soagr vor oder hinter mir oder gar seitlich neben mir und wenn ich aus dem fenster sehe, dann sehe ich wieder auf –zig andere fenster hinter denen wieder menschen wohnen. Ich mag vielleicht alleine sein, fühle mich so aber viel weniger alleine wenn mir bewusst wird, wie viel leben um mich herum in anderen stadtwohnungen wohnt.

ich wohnte einmal im obersten stockwerk eines zehnstöckigen hauses. und das sogar in einer stadt, zwar in einer sehr kleinen stadt und auch noch am stadtrand, aber dennoch. ich liebte es in der nacht von dort oben über die lichter der stadt zu sehen und ich mochte es, dass ich nur ein paar schritte vor die tür gehen musste und gleich alles wichtige in der nähe zu finden war. ein restaurant, ein café, eine videothek, ein supermarkt, eine würstlbude, ein friseur, ein copyshop, eine tabaktrafik, eine bushaltestelle samt viertelstündlichen busverkehr und was weiss ich sonst noch alles. wenn ich jetzt auch nur eins von diesen dingen benötige, muss ich entweder ein schönes stück gehen, oder mich ins auto setzen.

was ich damals jedoch nicht hatte, für mich aber unbedingt dazugehört, sind die stadtgeräusche. eine stadt schläft nie, immer gibt es autos zu hören, die nächtliche strassenbahn oder den bus, natürlich auch passanten. und wenn ich um mitternacht rausgehe bin ich nie alleine. es gibt nichts traurigeres und deprimierenderes als eine ruhige stadt, und nichts schöneres als sich in einer lebendigen stadt durch die nacht treiben zu lassen. es ist aber auch schön zu wissen, wenn ich am morgen danach draufkomme, dass mir zum frühstück die semmeln fehlen, dann falle ich einfach aus der haustüre heraus und habe mir schnell nachschub besorgt. oder ich gehe gleich ins nächste café frühstücken.


ich bin ein stadtkind, die stadt gibt mir sicherheit, sie fühlt sich kuschelig an und ist freundlich mit mir. sie hält alles für mich bereit und lässt mich nie alleine.

ja, ich bin ein stadt... erwachsener.

im geiste.