Mittwoch, 15. Oktober 2014

TOD, DU GOTTVERFLUCHTES ZAHNLOSES ARSCHGESICHT

irgendwann zwischen gestern abend und heute nachmittag ist meine großmutter, die mutter meiner mutter, die steile treppe in ihrer wohnung hinabgestürzt. sie muss sich dabei schwer verletzt haben, denn schon auf der treppe befand sich eine blutspur als man sie heute fand, die dann ins bad am unteren ende der treppe und wieder hinaus in richtung küche führte. was sie im bad gesucht hatte weiß man nicht, aber offenbar hatte sie noch versucht das telefon zu erreichen, kriechend, auf allen vieren, aber sie hat es dann doch nicht mehr geschafft. meine tante,´ihre tochter, die schwester meiner mutter fand sie dann heute in der küche am boden liegend, tot.

das letzte mal habe ich sie zur beerdigung ihrer eigenen mutter, also meiner urgroßmutter gesehen. als ich noch ein kind, bzw. jugendlicher war, sah ich sie mindestens ein mal im jahr, denn man besuchte ja immer wieder reihum alle verwandten. im winter gings zu den großeltern wo man skifahren konnte, und im frühling, Sommer oder herbst waren wir dann bei der deutschen verwandtschaft, nur ganz selten war es andersrum. und noch seltener gab es gegenbesuche, nicht weil niemand wollte, sondern weil es einfach eine finanzielle frage war. mein vater verdiente gut und konnte es sich leisten ständig in der gegend herumzufahren. dieser finanzielle aspekt ist nun auch der grund warum ich als erwachsener meine verwandten kaum mehr gesehen habe. ich hatte einfach entweder keine zeit oder kein geld.

ich mochte oma hanni sehr, sie war irgendwie immer die sensible, sanfte und liebe im verwandschaftskreis. ich nannte sie auch nie oma, weil sie für mich weder wie eine oma aussah, noch sich wie eine benahm. 

was mich an diesem tod so nervt ist, dass sie nicht einfach alt werden und an altersschwäche sterben konnte, sondern durch einen dummen verdammten unfall ums leben kam. andererseits kann ich mich wiederum unter all jenen die alt wurden und an den folgen des alters starben an keinen einzigen "schönen" tod in meiner verwandschaft erinnern. alle siechten wochen- monate oder sogar jahrelang dahin bevor sie endlich gehen durften. es gab krebs, schlaganfälle und was weiss ich was sonst noch alles, ich mag mich jetzt ehrlich gesagt nicht an alle details erinnern. so gesehen war diese art von tod vielleicht sogar die beste von allen, obwohl sie vermutlich irrsinnige schmerzen hatte und ziemlich sicher verwirrt, bzw. benommen war. und vor allem starb sie alleine. ich hoffe ihr war nicht bewusst was gerade mit ihr passierte.

immer wenn jemand aus meinem umfeld stirbt (und das passiert irgendwie zu oft), denke ich natürlich über meinen eigenen tod nach. es ist zum bespiel so, dass ich oma hanni wirklich sehr mochte und natürlich bin ich traurig über ihren tod - obwohl ich immer noch eher sauer über die umstände bin - aber es wird kein loch in mein leben reissen. es ist schade, ich hätte es lieber anders gehabt, aber es ist nun mal so. und irgendwie denke ich dann, dass das eigentlich unfair ist. es ist so eine art "dumm gelaufen" attitüde die mir selbst ganz und gar nicht gefällt, denn ich frage mich wie viele menschen sich das dann bei meinem eigenen tod denken werden. ich will nicht dass man sich bei mir einfach nur "oh, traurig und schade" denkt, wenn man versteht was ich jetzt meine..... ich kann es gerade nicht so in worte fassen wie ich es gerne hätte.

ich möchte diesen blogeintrag heute mit den zeilen einer guten freundin beschließen:

tod, du gottverfluchtes zahnloses arschgesicht
komm her, wir muessen reden!
kannst du sadist nicht mal deine irren regeln etwas aendern
mal zur abwechlsung bei ein paar leuten vorbei
die dich mit handkuss empfingen
die dich gerne haetten
die wollen, dass du kommst?

ich glaube, du machst das extra
du suchst dir gerne welche aus
die dich gar nicht sehen wollen.
haha, da bin ich, was sagst jetzt?

ach geh weg, sagen die leute, 
ich will nicht dich,
ich will dein gegenteil.
ich will alles, was du nicht bist, zu besuch.

"i'm claiming the right to be unhappy"
das immer noch lieber als dich, tod.
dich kann ich mir kaum vorstellen
komm doch spaeter wieder. 
wirklich, ich hab's mir ueberlegt.

und du hoerst ueberhaupt nicht zu
oder es ist dir egal
oder macht dir freude
ich weiss es nicht
aber wuerde das gerne mal mit dir besprechen.

vielleicht hast du auch gute trickli
dass die leute urploetzlich lachen und sagen:
ja, okay tod, komm doch rein.
ich weiss es nicht
ich habe dich noch immer weggeschubst
auch wenn ich dich schon selbst eingeladen hatte.

und dann heisst's
in stillem angedenken
in stiller trauer
blabla

fuck still, was fuer ne kacke
schreien will ich, toben.
ich mag dich nicht, tod
du bist meist einfach zur falschen zeit am falschen ort.
und dann noch mit anschleichen.

und dabei haette ich noch nicht mal prinzipiell was gegen dich
aber du hast einfach keinen stil, kein benehmen, keinen anstand.

wenn mal zeit hast und grad nicht damit beschaeftigt bist
wieder idiotenzeug anzustellen
dann meld dich, habe mal paar fragen.
ich kapier dich nicht.
und sorry gaell,
war nun vielleicht auch etwas unfreundlich.

Sonntag, 12. Oktober 2014

NACH DIKTAT VERREIST

ich habe wirklich lange überlegt ob ich das nun folgende hier überhaupt niederschreiben soll, denn es ist nun doch noch einen tick persönlicher als alles was ich bisher hier veröffentlichte. bisher schrieb ich, wenn es um mich ging, von meiner vergangenheit, von dingen die längst vorbei sind, auch wenn es manchmal sehr persönlich war, es waren dinge die längst vorüber sind, vergessen, überwunden, verarbeitet.... doch heute möchte ich davon schreiben wie es mir JETZT geht, heute und im augenblick.

und warum muss, bzw. will ich das dermaßen öffentlich tun? tja, ich habe ehrlich gesagt niemanden sonst dem ich es erzählen könnte. nun, natürlich gibt es menschen denen ich es erzählen könnte, doch entweder würden sie mich nicht verstehen, oder mich mit ratschlägen nerven die ich nicht hören möchte. darum werde ich auch ausnahmsweise die kommentarfunktion für diesen speziellen blogeintrag deaktivieren, denn ich möchte einfach keine kommentare. alles was ich will ist erzählen, sehen wie jemand dazu mit dem kopf nickt, mir vielleicht auf die schulter klopft und ein bier zahlt und dann wieder geht.

nun denn....

wie man als leser meiner blogs weiß habe ich nun seit über 2 monaten einen job. ich war lange genug auf arbeitssuche, also wurde es ja auch zeit endlich wieder in die arbeitswelt zurückzufinden. und ich hatte noch dazu das glück in einem bereich fuß fassen zu können der mich wirklich interessiert, nämlich in der it-branche. ich bin nun also im it-support tätig. und im grunde gefällt mir der job auch recht gut, eben weil ich endlich mit einer materie zu tun habe die mich interessiert. ich bin, bzw. war zwar auch wirklich sehr gerne bürohengst, doch als büroangestellter landet man ständig in branchen die einem dann doch nicht unbedingt nahe liegen. was interessieren mich energydrinks, metallbe- und verarbeitung, weihnachtsdekorationen oder mineralöle? genau, nichts! ich fand zwar die administrativen aufgaben die mit einem bürojob einhergehen immer recht interessant, doch sobald es um kunden- oder lieferantenkontakt und/oder -gott bewahre - verhandlungen finanzieller natur geht, steige ich aus. es interessiert mich nicht und ich will es auch nicht. nun, mit all dem ist als it-supporter schluss und das ist auch gut so.

dass der job eines it-supporters jedoch aus sehr viel lauferei und schlepperei besteht, hatte mir vorher niemand gesagt. aber darüber beschwere ich mich gar nicht mal, denn im grunde ist es ja auch logisch, irgendjemand muss ja die ganzen rechner zum user bringen, aufbauen, einrichten und auch wieder abholen. wer sonst sollte das denn tun, wenn nicht der it-support? ich war nur schlicht nicht darauf vorbereitet, ich hatte mir, um ehrlich zu sein den job eher so wie in der comedy serie it-crowd vorgestelt. man sitzt hauptsächlich am schreibtisch, löst die meisten der probleme per telefon und wagt sich nur im äussersten notfall bis zum user. dass dies nicht der praxis entspricht hätte mir mit ein wenig nachdenken eigentlich klar sein müssen, aber was solls.... 

so war ich in den ersten wochen also physisch sehr gefordert, denn ich war es ja nicht gewohnt mich dermaßen körperlich zu betätigen. aber mit der zeit wurde es besser, ich merke wie ich durch diesen job, bzw. der bewegeung fitter geworden bin, mein rücken tut längst nicht mehr so wie wie früher, obwohl er weitaus mehr belastet wird als bisher, treppen steigen macht mir nichts mehr aus und so weiter und so fort. das einzig nervige an der sache ist, dass man oft ziemlich abgekämpft und verschwitzt beim user erscheint. mir bereitet es schon ein wenig unbehagen, wenn ich dann so mit schweißflecken unter der achsel und schweißperlen auf der stirn neben einer, ich nenne es jetzt einfach mal "bürotussi" ohne es abwertend zu meinen, sitzen zu müssen und zusammen mit ihr ihren rechner einzurichten. aber naja, es lässt sich kaum vermeiden, also was solls.

was mir ungleich übler aufstößt ist das verhalten jener die ich als meine vorgesetzten betrachten muss. ich begleitete zwar die ersten 1-2 wochen die kollegen bei der arbeit um einen einblick ins geschehen zu bekommen und um zu lernen, doch im grunde wurde ich ins kalte wasser geschmissen. eine echte einschulung gab es nämlich nie. so sah, bzw. lernte ich natürlich nur jene dinge die gerade aktuell anstanden. zudem konnte ich mir natürlich nicht alles merken, wobei ich gestehen muss, dass ich mir anfangs auch zu wenig notierte, aber was soll man denn noch großartig notieren wenn man neben jemandem sitzt und ihm bei etwas zusieht von dem man keine ahnung hat, geschweige denn WAS der da gerade macht.

zudem habe ich als quereinsteiger natürlich defizite. ich behaupte zwar ein sehr guter user zu sein, für nahezu alle meine bekannten, freunde und verwandten bin ich erste anlaufstelle wenn sie ein pc-problem haben (das ich in der regel auch lösen kann), dennoch fehlt mir die dazugehörige ausbildung. alles was ich kann und weiß habe ich mir selbst beigebracht, bzw. lernte ich durch blöd fragen oder ergoogeln. ich kenne mich zwar in der systemsteuerung aus, jedoch gibt es natürlich bereiche in die ich bisher noch nie vorgedrungen bin, weil man als normaler user einfach nie damit zu tun hat, bzw. einfach nicht weiß was man damit eigentlich anfangen soll.

zu all dem kommt noch dazu, dass ich dazu neige probleme erst mal selbst lösen zu wollen ohne andere damit zu behelligen. so kann es natürlich passieren, dass ich länger brauche als andere, weil ich ich ja erst mal herumprobieren muss, oder schlicht und einfach fehler mache die erst später wieder auftauchen.

naja, ich habe jedenfalls gelernt dass ich mir jeden scheiss notiere und vor allem dann wenn ich anstehe anrufe um mir weiterhelfen zu lassen. doch ganz so einfach ist das nun doch wieder nicht. immer wieder stehe ich vor der situation, dass mir dann am telefon gesagt wird, dass ich das eigentlich bereits wissen sollte. natürlich fange ich neben einem user nun nicht großartig an herumzudiskutieren, denn nur weil ich einer situation ein- oder zwei mal begegnet bin, heißt das noch lange nicht, dass ich sie deswegen im griff habe. oft genug liegen wochen zwischen dem erstmaligen auftauchen und einer wiederholung einer situation. wenn man bedenkt, dass mir jeden tag -zig neue dinge begegnen die ich mir merken und im besten fall auch lernen sollte, dann ist es, zumindest meiner meinung nach verständlich, wenn ich heute nicht mehr genau weiß wie das vor 3 wochen war.

aber genau das ist was mich an diesem job ein wenig zermürbt. es gab noch nie lob, kein kurzes "gut gemacht" oder ähnliches, es wird immer nach dingen gesucht die einem vorgeworfen werden können. und wenn man nichts offensichtliches findet, dann sucht man eben danach bis man etwas gefunden hat. zur not wird man dann auch gerne mal persönlich. sei es dann die frisur des kollegen oder was auch immer. wenn ich mitbekomme wie ständig abfällig über gerade abwesende kollegen gelästert wird, dann mag ich mir gar nicht vorstellen was über mich getuschelt wird wenn ich es nicht mitbekomme.

es ist also so, dass erwartet wird, dass ich mich SOFORT melde wenn es ein problem gibt, ich dann aber gleichzeitig per telefon zur schnecke gemacht werde weil ich irgendetwas nicht weiß. dass auf die art die lust anzurufen nicht gerade sehr groß ist kann man sich vorstellen.

aber das ist noch nicht alles. es gibt oft genug unklare aufträge und anweisungen, von denen man dann hinterher nicht mehr genau weiß ob man sich einfach nur verhört hat, etwas falsch verstanden hat, oder ob einem tatsächlich nur die hälfte oder einfach nur bockmist erzählt wurde. wie man es dreht und wendet, ich stehe jeden tag mehrmals dämlich da und komme mir vor wie der letzte volldepp. ich WEISS dass ich nicht dumm bin, aber in diesem job wird mir tagtäglich das gegenteil vermittelt. und so kann es dann auch passieren, dass ich dann wenn tatsächlich etwas mal gehörig schief läuft lieber versuche es auf eigene faust zu regeln, ohne dass ich gleich wieder jemanden anrufen muss der mich dann eh nur zur schnecke macht, auch wenn das bedeutet, dass ich mal 2 tage hintereinander eine halbe stunde früher in der firma bin ohne dass irgendjemand etwas davon weiß, denn es soll und darf ja niemand mitbekommen.

trotz allem mag ich diesen job, obwohl ich hier klein gemacht werde, obwohl einem das mikromanagement der vorgesetzten in den wahnsinn treibt, obwohl ich schwitze und stöhne. aber bereits nach 2 monaten frage ich mich, ob ich das hier vielleicht nicht besser als sprungbrett ansehen sollte um in einer anderen firma einen ähnlichen job zu bekommen. 

obwohl es mir nun natürlich finanziell besser geht sehne ich mich nach der zeit zurück in der ich einfach nur zuhause saß und tun und lassen konnte was ich wollte. ich habe jeden tag gebloggt, ich habe mich in den netzwerken unterhalten, ich habe mir filme und serien angesehen, ich habe viel gespielt und musik gemacht, kurz gesagt, ich konnte mich den ganzen tag mit dingen beschäftigen die mich wirklich interessieren und die mir spaß machten. doch all das hat sich nun auf ein minimum reduziert und ich frage mich, ob es das bisschen mehr geld wirklich wert ist. zudem kratze ich wieder am depressionsbaum. ich sitze zwar noch nicht drauf, aber ich bin knapp dran.

ja und privat gehts mir derzeit auch nicht besser. das liebesleben, obwohl im grunde nicht vorhanden stagniert und der freundeskreis ist ebenso im grunde kaum bis nicht vorhanden. ich fühle mich dumm, klein, ungewollt und ungeliebt. dass mir das nicht gefällt kann sich jeder vorstellen. ich weiß nur nicht was ich dagegen machen kann. ich weiß jedoch, dass es mir vor zwei monaten noch nicht so ging.

so, das war the confession of the day.

(nach diktat verreist)
(ungelesen und ohne korrektur versandt)


SCHATZKISTE - M WIE MAGNET


m - wie magnet


dieses stück haben wir bereits letzte woche gesehen, da ich es ja zum beschweren des textil-lesezeichens verwendet hatte.

es handelt sich hier um einen magneten, genauer gesagt, um ein bruchstück eines magneten. es stammt entweder aus einem elektromotor, oder aus einem dynamo, so genau weiß ich das nach all den jahren nicht mehr. ich weiß jedoch noch, dass irgendwann einmal etwas kaputt wurde und ich es daraufhin auseinader nahm, worauf mir dann ein paar bruchstücke entgegen purzelten.

wie schon so oft ist es kein großes ding, es hat nicht einmal besonderen erinnerungswert für mich, geschweige denn für jemand anderen, dennoch habe ich es aufgehoben, denn wann bekommt man denn schon ein bruchstück eines magneten in die hände? magneten gibt es in der regel nur als ganzes, die sind nicht kaputt.

meien schatzkiste ist also nicht nur ein hort meiner erinnerungen, sondern auch eine art kleines kuriositätenkabinett - wenn auch nur mit äußerst speziellen kuriositäten die außer mir so gut wie niemanden interessieren.



Sonntag, 5. Oktober 2014

SCHATZKISTE - L WIE LESEZEICHEN

L - wie lesezeichen



dieses lesezeichen fand ich im nachlass meiner großmutter. es besteht aus gewebtem stoff, vermutlich seide, oder etwas seidenähnliches, so genau ist das ohne etikett und fachkenntnisse nicht auszumachen, denn früher wurde ja noch nicht an jedem noch so kleinen textilstück ein meterlanges label mit allen möglichen und unmöglichen angaben angenäht, das oft größer ist als das fragliche teil selbst.

ursprünglich war dieses stofflesezeichen auch ein wenig steifer, so dass man es tatsächlich als lesezeichen verwenden konnte, doch seit es aus nicht nachvollziehbaren gründen feucht geworden war, ist einerseits diese steifigkeit verloren gegangen und andererseits fing die farbe an zu verlaufen.

ich habe es nie als lesezeichen benutzt, mich bindet auch emotional nichts an dieses stück. ich finde es einfach nur kurios, denn schrift und grafik sind nicht aufgedruckt, sondern wurden tatsächlich mit blauem faden eingewebt, also behalte ich es aufgrund seines seltenheitswertes.

da dieses teil zudem auch noch verknittert ist, musste ich es fürs bild an beiden enden beschweren. zu diesen teilen, mit denen ich das lesezeichen beschweren musste, kommen wir in dieser "schatzkisten-reihe" später noch, und zwar dann wenn wir im alphabet weiter hinten angelangt sind.... freut euch schon mal :-)


Samstag, 4. Oktober 2014

SCHAULUSTIG

es ist ja gesellschaftlich verpönt zu starren. erst recht genau dann, wenn es tatsächlich einen grund zu starren gäbe, wie zum beispiel bei unfällen oder menschen die aus verschiedensten gründen (behinderung, außergewöhnliches outfit, übergewicht, außergewöhnlich gutes aussehen...) aus der masse hervorstechen. es ist ja auch verständlich, denn selbst wird man ebenfalls nur sehr ungern angestarrt. erst recht, wenn man aufgrund eingebildeter oder tatsächlicher makel nicht sehr selbstsicher ist.

doch warum starren menschen eigentlich? ist es wirklich immer nur sensationslust oder das aufgeilen am unglück anderer? ich gebe zu, ich bin selbst ein schaulustiger mensch wenn es um unfälle geht. ich möchte nämlich ganz genau wissen was passiert ist und wie es dazu kam, aber das wars dann auch schon. ich folge also, wenn man so will, einer art wissenschaftlicher neugier, weil ich einfach nur die situation analysieren möchte.

das selbe gilt zum beispiel für menschen mit behinderung. weder verachte oder bedaure ich sie, sondern ich finde es einfach nur immer wieder interessant wie menschen mit behinderung mit dem alltag und all den schwierigkeiten die ihnen begegnen umgehen. ich sehe mir an welche hilfsmittel sie beutzen und wie sie diese benutzen. ich versuche herauszufinden woran es eigentlich hapert und wie sie es kompensieren. und so weiter und so fort.

wenn jemand ein interessantes outfit trägt (völlig egal ob ich es nun extrem hässlich finde, oder cool, oder schick oder wasauchimmer), dann möchte ich es mir einfach nur genauer ansehen, da geht es nicht um die person die im outfit steckt, außer es handelt sich um ein erotisches outfit in dem eine ebenso erotische dame steckt natürlich *g*. schöne menschen sieht man sich ja auch gerne mal genauer an, eben weil man sich schöne dinge (und auch menschen) einfach gerne ansieht.


irgendwie ist das wie wenn man sich einen film oder eine dokumentation ansieht, oder wie wenn man ins museum geht. nur kann man sich vieles eben nicht im museum ansehen, und wenn einem eine situation oder eine person gerade jetzt im leben begegnet, dann sieht man eben hin und nicht weg.

es wäre eigentlich nichts schlimmes dabei, wenn nicht immer die gefahr bestünde, dass man die gefühle und die privatsphäre der angestarrten verletzen könnte. man kann die leute ja auch schlecht fragen "entschuldigung, ich finde sie interessant, darf ich sie ein weilchen anstarren?"

aber wer weiß, vielleicht würde man dadurch viel mehr interessante menschen kennenlernen und/oder viel mehr interessantes und neues erfahren? naja, bei unfällen sollte man das dann vielleicht doch besser sein lassen....