Freitag, 22. Mai 2015

SAFTLOS

heute nachmittag wurde bei uns im viertel der strom abgedreht. irgendwas mit bauarbeiten, kanal- oder leitungsverlegungen oder so. ist auch nicht wichtig, wichtig ist, dass wir ohne strom dastanden. natürlich wussten wir schon seit zwei wochen bescheid, doch ich hatte vergessen mir einen eintrag in den kalender zu machen, also wurden wir heute recht rüde überrascht, als plötzlich alles ausging. ich dachte ja zuerst an die sicherung, aber das wars dann eben nicht.

die allererste erkenntnis aus diesem vorfall hatte damit zu tun, dass ich einen laptop benutze. ich nutze ihn wie einen normalen stand-pc, es hängt eine tastatur dran, eine maus und ein zusätzlicher großer bildschirm, das display des laptops verwende als zweiten kleinen nebenbildschirm. mit dem strom war jedoch auch der große bildschirm weg, der kleine lief noch, denn der laptop schaltete natürlich auf akkubetrieb um. das blöde daran war jedoch, dass ich meinen desktop auf dem großen bildschirm anzeigen lasse. ok, kein problem, dachte ich mir, stellst dud as halt einfach um. tja, ging aber nicht, denn die anzeige zum umstellen erschien auf dem hauptbildschirm, also dort wo mich eine große schwarze fläche anstarrte. auch wurscht, schaltet man das ding halt so aus. viel anfangen kann man mit dem laptop ohne strom sowieso nicht, internet funktioniert logischerweise nicht, da ja modem und router auch nicht funktionieren, spielen mochte ich nicht, bzw. spiele ich vorzugsweise online und einen film wollte ich ohne strom für die lautsprecher auch nicht ansehen. also ausschalten. das ging nun aber auch nicht, denn offenbar habe ich in den einstellungen definiert, dass der laptop im akkubetrieb bei betätigen des netzschalters nicht herunterfährt (bei netzbetrieb macht er das nämlich), sondern auf standby geht. umstellen ist nicht, aus den selben gründen wie bereits oben beschrieben. naja, wurscht, dann halt standby. ist ja nur für ein paar stunden.

nächste erkenntnis: es ist verdammt schwierig sich zu beschäftigen wenn der strom fehlt. mal schnell gemütlich kaffee oder tee machen geht nicht, außer man hat einen guten alten herd der mit holz befeuert wird. habe ich aber nicht. also kein kaffee und kein tee. sich mal für ein stündchen in die wanne schmeißen geht auch nicht, denn unsere nasszellen verfügen über keine fenster. ist ja schon seit jahren so mode, dass diese räume irgendwo im inneren, oder bei hanglagen eben auf der hangseite verbaut werden, so dass man sich die fenster spart. ich hätte es mir also höchstens pseudoromantisch mit kerzen gemütlich machen können, aber das wollte ich dann doch wieder nicht. fernsehen und radio hören fällt logischerweise auch flach. sogar mutter musste einsehen, dass bügeln ohne strom irgendwie nicht so sinnvoll ist.

da der stromausfall natürlich auch die toilette betraf musste ich mir etwas einfallen lassen, denn ich wollte ja nicht im dunkeln kacken. ich habe zwar kerzen, aber in der toilette einfach keinen platz um sie hinzustellen. aber da war doch irgendwo noch diese kleine led-taschenlampe? und natürlich ist sie genau jetzt nicht auffindbar! typisch! das ganze jahr liegt sie im weg rum, aber kaum bräuchte man sie, versteckt sie sich. mistding! also wich ich kurzerhand auf ein feuerzeug aus. nein, nicht auf die flamme, das wäre nun wirklich zu mühsam. es gibt ja feuerzeuge mit winzig kleinen taschenlampen drin. so eines hatte ich noch herumliegen, da ich die recht praktisch finde, wenn man in eingeweiden von pcs herumkramt. war zwar nicht sonderlich hell, aber hell genug um das klopapier zu finden.

ich verlegte mich also aufs leen, mutter auf näharbeiten mit der hand. war ganz gut so, denn erstens wurden so endlich ein paar dinge geflickt, die mir schon länger fehlen und zweitens konnte ich endlich meinen äußerst epischen elfenroman fertiglesen, an dem ich schon seit ca. einem jahr knabbere ("lesezeichen" folgt sicher bald in diesem blog) - und gleich mit einem krimi weitermachen in dem ich auch schon länger feststecke. das elfenwerk hatte ich mal für länegr unterbrochen, weil mir dessen epik irgendwann auf die nerven ging, deshalb fing ich den krimi zwischendrin an, doch der fesselte mich nicht richtig, weil ich den erzählstil nicht so prickelnd finde, also fing ich wieder mit den elfen an und dann kam mir der stephen king dazwischen, den ich unbedingt innerhalb einer festgelegten zeit fertig haben musste, da er von der bücherei ausgeliehen war. tja, elfen erledigt, krimi ein gutes stück weiter. nice.


nächste erkenntnis: es ist wirklich sehr still wenn es keinen strom gibt. man hört nur das ticken der uhr an der wand und hin und wieder ganz ganz leise autos draußen in der ferne vorbeifahren. alle lärmverursacher fallen plötzlich weg. das fängt bei den nachbarn an, die nicht tv sehen, musik laufen lassen, staubsaugen oder bohren, niemand mäht den rasen (was heute bei regenfall sowieso irgendwie hirnrissig gewesen wäre), kein häcksler und keine kreissäge stört die ruhe, und es geht weiter bei den eigenen geräuschen in der wohnung. der kühlschrank brummt nicht, kein pc/laptop bläst leise warme luft vor sich hin, es gibt einfach nichts mehr das irgendein geräusch macht. das war fast so wie früher im haus meiner großmutter, dort hörte man auch immer nur die vögel draußen zwitschern und die uhr an der wand ticken. und das feuer im kachelofen oder der ölheizung prasseln.

und letzte erkenntnis: mutter will reden wenn der tv nicht läuft, ich jedoch nicht, denn ich wollte ja lesen. ich war also dann doch dezent genervt, weil ich jeden zweiten absatz von ihr unterbrochen wurde. aber irgendwann konzentrierte sie sich doch mehr aufs nähen, so dass ich mich aufs lesen konzentrieren konnte. später dann ließ ich mich doch auf ihr sprechbedürfnis ein und erfuhr auf einmal dinge aus der familie die ich bisher nicht wusste. genauer gesagt über meinen urgroßvater. aber das gebe ich jetzt hier nicht wieder, keine angst.

und irgendwie finde ichd as auch ganz gut so. ich will und muss nicht jeden tag tiefschürfende gespräche über vergangenheit und familie führen, gelegenheiten wie diese reichen mir völlig. so ist es nämlich was besonderes, so bleibt es mir in erinnerung, wenn das jeden tag so geht ist es nichts besonderes mehr. und in ein paar jahren oder jahrzehnten werde ich an diesen nachmittag zurückdenken, als mir meine mutter von meinem urgroßvater erzählte, von seinem moped, seinem job bei der eisenbahn und von dem rabenpärchen das damals sein nest in deren garten hatte, das er hin und wieder mal mit seinen fischabfällen die von seiner angelleidenschaft übrig blieben fütterte, was urgroßmutter wiederum überhaupt nicht gefiel und davon, dass einer der raben klaute wie ein, ja äh, wie ein rabe eben.

nun denn, bis zum nächsten stromausfall. da überlege ich mir aber vorher was. am besten einfach nicht zuhause sein.