Mittwoch, 12. Februar 2014

BELGISCHE VERWECHSLUNGEN

heute jährt sich zum 111. mal der geburtstag des schriftstellers und kommissar maigret erfinders georges simenon.

ich gebe zu, ich habe keinen einzigen seiner maigret romane gelesen, auch keinen anderen, bzw. glaube ich mich zu erinnern zumindest einen einmal angefangen zu haben, aber entweder habe ich ihn wieder aufgegeben, oder ihn schlicht aufgrund seiner fadesse wieder vergessen. eindruck hinterließ er bei mir auf jeden fall keinen, tut mir leid, man muss ja nicht alles mögen. dennoch ist er ein weltberühmter schriftsteller. und belgier.

ja, belgier! mich hatte diese information schon ein wenig überrascht. ich wusste zwar, dass die romanfigur hercule poirot der britischen krimiautorin agatha christie belgier war, immerhin weist er ja nun wirklich oft genug selbst darauf hin, aber dass ein anderer großer krimiautor, wie georges simenon, selbst aus belgien stammt, obwohl ich ihn zeit meines lebens den franzosen zuordnete, war mir nun wirklich neu.

von hergé, dem erfinder der tim & struppi romane, wusste ich bereits, dass er belgier war. ebenso weiss ich es von stromae, einem hierzulande ziemlich unterschätzten musiker, der bei uns vor allem (und fast ausschließlich) durch seinen hit "alors un danse" bekannt ist.

belgien ist überhaupt so ein seltsam unauffälliges land. in meiner wahrnehmung spielt es, geschichtlich gesehen, so gut wie keine rolle. nun  gut, hitlerdeutschland hat belgien überfallen und dem rest der welt war das damals irgendwie egal, aber das wars dann schon. belgien ist berühmt für seine pralinen, fürs atomium und ... ja, wofür noch? ach ja, der hauptsitz der europäschen union und irgendwas mit der nato befinden sich in brüssel. noch was? ich glaube in irgendeinem asterix heft kommen auch belgier vor. und wenn ich mich recht erinnere, dann kommen sie dort nicht gut weg. oh, und natürlich die kinderschänder-skandale. kaum ein witz über belgien ohne kinderschänderbezug. eine bittere praline, die sie da schlucken müssen....

belgien kommt also in der öffentlichen wahrnehmung kaum vor, schlimmer noch, bekannte belgier mutieren zu franzosen. ausser sie sind kinderschänder, die bleiben natürlich hübsch belgisch. oder romanfiguren wie poirot.


kanada geht es da ja ähnlich. natürlich hat kanada eine etwas andere dimension als belgien, aber dennoch verfrachten wir gedanklich berühmte oder bekannte kanadier in die usa. enterprise-ikone william shatner zum beispiel, oder gummigesicht jim carrey. ebenso die bezaubernde rockgöre avril lavigne.

für uns deutschsprachigen ist es sowieso nicht leicht zu unterscheiden, vor allem wenn es sich um schauspieler handelt, denn wir bekommen sie ja zum allergrößten teil nur in synchronisierter fassung zu hören. ob da nun jemand aus den usa, kanada, großbritannien, australien, neuseeland oder irland kommt, ist nur durch recherche zu erfahren, oder die presse hält es für dermaßen wichtig, dass immer wieder darauf hingewisen wird.

neuseeland geht es vermutlich mit australien nicht anders, obwohl sich das vielleicht durch peter jackson und seine tolkien-verfilmungen inzwischen geändert hat. oder südkorea mit japan. in den ersten meldungen über psys damals noch-nicht-welthit "gangnam style" wurde er auch japanisiert. ist auch kein wunder, für uns westler sah alles nach japan aus, wer kann denn schon als durchschnittseuropäer (oder -amerikaner) koreanisch in sprache und schrift von japanisch unterscheiden?

was denn noch? hin und wieder passiert das selbe mit portugal und spanien, obwohl die sprachen sehr leicht zu unterscheiden sind. irland und großbritannien. natürlich sämtliche ehemaligen ostblockstaaten, die sich ja sowieso dauernd verändern, weil sie je nach bedarf unabhängig werden oder sich zusammenschließen.

ich persönlich verwechsle andauernd die ganzen nordischen länder, norwegen schweden, finnland - und dänemark noch dazu.

oh ja und deutschland und österreich! für uns österreicher ist das ja nicht so schwierig, aber schon bei den deutschen fängt es an mit verwechslungen. gerne mal wird mozart eingedeutscht (obwohl das ja wieder ein grenzfall ist, denn bei seiner geburt gehörte jener teil in dem er geboren wurde und heute zu österreich gehört, zu dem was dann deutschland werden sollte). nur bei hitler sind sich alle einig, dass er österreicher war. und manchmal müssen wir uns auch noch mit der schweiz herumschlagen.

Dienstag, 11. Februar 2014

PROBERÄUME

da ich gerade auf pro7 (oooohhhhhh jaaaaaaaaaa der anspruchsvolle alte sack guggt auch immer wieder mal seichtes zeug an) die wundervolle sendung „schulz in the box“ sehe…

ähm, vermutlich muss ich erst mal erklären worum es in dieser sendung geht. also, dieser schulz wird in eine box gesteckt und dann mit dieser box irgendwohin verfrachtet. angeblich weiss er nicht wo er landet, das bezweifle ich aber, denn von deutschland nach moskau (wo er sich heute befindet) dauert es dann schon ein weilchen, und der hält sicher nicht zig tage in dieser box aus. worüber er aber garantiert nicht bescheid weiss ist, welche menschen ihm dort  wo er landet begegnen und was mit ihm passiert.

also, heute ist er in moskau - und wurde schnurstracks in den proberaum einer band verfrachtet. dieser proberaum befand sich offenbar auf dem dach eines hauses, war riesengroß, lichtdurchflutet, mit allem schnickschnack inklusive bar ausgestattet und machte eher den eindruck einer penthousewohnung, als dass es nach typischem proberaum ausgesehen hätte. und schulz kommentierte das auch dementsprechend: er meinte, dass man sich normalerweise 30 meter unter der erde in einem dunklen loch befindet und sich vorkommt wie ein maulwurf mit gitarre.

genau so ist es nämlich wirklich. Ich selbst war ja mal mitglied einer band, also kann ich aufgrund meiner erfahrungen folgendes resümee ziehen: irgendwie sind alle proberäume gleich. alle sind dunkel, alle miefen nach kaltem rauch und abgestandenem bier, manchmal kommen noch andere gerüche, wie 2 wochen alte pizza, kalter rauch anderer rauchwaren und hin und wieder schimmel dazu, und fast keiner dieser proberäume verfügt über eine toilette. mit meiner band erlebte ich insgesamt 3 proberäume:


der erste befand sich in einem leer stehenden, entweder renovierbedürftigen, oder abbruchreifen haus. im ersten stock! keine ahnung warum das erdgeschoß nicht gut genug war, aber immerhin hatte dieses haus noch fließendes wasser, die toiletten waren also benutzbar. nur klopapier war chronisch nicht vorhanden. regelmäßig kam einer der nachbarn vorbei und beschwerte sich wegen des lärms. wir beschwichtigten ihn dann und in weiterer folge wurde seine beschwerde ignoriert - bis zum nächsten mal.

der zweite proberaum war ein leerstehender kiosk mitten in einem park. natürlich ohne toilette. für uns jungs war das ja auch kein problem, einfach an die wand gestellt und geht schon. doch unsere weiblichen groupies waren darüber gar nicht glücklich. eine davon hieß übrigens joya tristessa fällt mir gerade ein, bzw. heisst sie immer noch so. also in echt. tatsächlich. die wurde wirklich so getauft. aber zurück zum proberaum. der hatte zwar fenster, aber die hatten wir abgeklebt (damit es auch ja schön dunkel bleibt) und wurden nur im höchsten notfall geöffnet. das praktische war aber, dass sich gleich daneben eine parkbank befand, natürlich mitsamt öffentlichen mistkübel. dort hinein wanderten natürlich auch unsere abfälle. und natürlich gab es auch hier nachbarn die kamen und sich über den lärm beschwerten. so groß war der park nun auch wieder nicht. heute gibt es dieses gebäude leider nicht mehr.

der dritte und letzte proberaum den ich miterlebte, befand sich dann in einem lokal, ganz unten, irgendwie noch unter der ebene eines kellers. früher mal war das wohl der barbereich, denn der tresen stand noch rum. er stand genau genommen sogar ziemlich im weg, war aber nicht zu ändern. hier gabs dann auch wieder anständige toiletten, aber kein fenster. als dann der proberaum unter wasser stand, denn der danaben liegende bach war über die ufer getreten, war das dann auch das ende dieses proberaums und auch irgendwie der band. zumindest mit mir, bzw. für mich.

ich habe auch noch einige andere proberäume gesehen und im grunde sind sie tatsächlich immer gleich, wie ja bereits eingangs beschrieben. dunkel, muffig, seltsam und meistens zu klein. der beeindruckendste befand sich in einem ehemaligen luftschutzraum. in tirol war es lange zeit pflicht einen solchen raum mit einzuplanen, bzw. dann auch zu bauen. ohne gabs keine genehmigung zum bau. natürlich wurden diese räume immer  völlig anders genutzt. in diesem fall eben als proberaum. und der war auch noch riesig, und zwar so riesig, dass es darin sogar eine eigene chillecke gab.

nur eins hat sich im laufe der zeit im gegensatz zu früher verändert. heutzutage steht in fast jedem proberaum ein pc. wir mussten noch mit einem tascam 4spurgerät auf normale kassetten aufnehmen, mit nem echogerät, das tatsächlich mit tonbandloops funktionierte und einem analogen lesley, heutzutage geht das alles gleich digital auf pc.

und wer sich das alles nicht antun will, macht eben nur mit dem computer musik, daheim, im wohn- oder schlafzimmer, wenns sein muss sogar ganz ohne instrumente.

Montag, 10. Februar 2014

FALSCHE SCHÖNHEIT

man kennt vielleicht jenen bilderwitz, in dem sich ein mann und eine frau beim ausgehen näherkommen, beide offensichtlich recht gut "ausgestattet", und als sie dann gemeinsam in der wohnung ankommen, zieht zuerst die frau die orangen (oder waren es äpfel?) aus dem bh und gleich darauf der mann die banane aus der hose. im schlussbild sitzen dann beide kuschelnd auf dem sofa und essen obstsalat.

warum glauben so viele menschen, dass sie vorgeben müssten anders auszusehen als sie es tatsächlich tun? vor allem, wo doch die chancen, dass es früher oder später rauskommt, relativ groß sind.?

ich erinnere mich an ein gespräch, das ich einmal mit einer arbeitskollegin hatte. sie meinte eben, dass sie nie eine schönheitsoperation machen würde und das völlig unnötig fände. plauderte dann noch irgendwas von sich selbst lieben und akzeptieren und bla und blubb - und da musste ich sie unterbrechen, denn ich wusste, dass sie weder naturblond war, noch natürliche locken hatte. also warf ich ihr vor, dass doch sowieso kaum eine frau mehr so aussieht, wie sie von natur aus aussehen würde, ja dass sie selbst ja die haare färbt, dauerwellen hat, dass sie sich auch schminkt und garantiert die beine rasiert.

und genau darüber möchte ich heute schreiben.


fangen wir mal bei der tiefgreifendsten veränderung an, die ein mensch machen kann, der schönheitsoperation: lassen wir mal medizinisch notwendige operationen nach unfällen oder krankheiten und ähnliches weg. ich rede nur von operationen, die streng genommen nicht notwendig wären. so wie zum beispiel aus brüsten der körbchengröße a welche der größe c zu machen. ich kann ja gerade noch nachvollziehen, dass frau sich mit 2 bienenstichen nicht wirklich wohl fühlt, bzw. komplexe bekommt, wenn ihr mann größere brüste hat als sie selbst. davon rede ich auch gar nicht, sondern von jenen, die eigentlich ganz normale schlummerkissen vor sich hertragen, aber sie unbedingt vergrößern wollen. argumentiert wird hier meistens mit dem besseren selbstwertgefühl, doch da wäre es doch vermutlich klüger (und vielleicht auch günstiger) beim selbstwert anzusetzen und das mittels therapeuten in den griff zu bekommen, oder?

aber das ist halt so eine sache. wer mit seinen brüsten, seiner nase, seinen ohren oder was weiss ich unzufrieden ist, der lässt es sich halt umgestalten. sofern man die finanziellen mittel dazu hat, ist das ja auch kein großes ding mehr heutzutage. dass man jedoch mit jeder vollnarkose das risiko eingeht nicht mehr aufzuwachen, ist den allermeisten nicht bewusst. alleine das wäre für mich schon ein grund nichts dergleichen in angriff zu nehmen.

es geht aber auch nicht ganz so radikal, man kann sich ja auch einfach nur die gesichtsmuskeln mittels nervengifteinspritzung lähmen, sich fett oder sonstige fremdkörper einspritzen lassen, oder einfach ein permanent-makeup gönnen.

nun werden vermutlich so einige damen aufschreien, wie ich es nur wagen kann botox- bzw. fetteinspritzung (oder was auch immer dazu verwendet wird) mit permanent-makeup zu vergleichen, bzw. gleichzustellen. naja, das eine verändert die mimik und die form, das andere verändert die optik - und in beiden fällen sind nadeln und körperfremde stoffe im spiel, die auf dauer in den körper eingebracht werden, auch wenn das eine vermutlich nicht ganz so ungesund sein mag, wie das andere.

klingt jetzt nicht mehr ganz so harmlos, oder? ich bin jedoch nicht generell gegen tattoos, ich habe ja selbst eines. wenn jedoch ein kerl mit einem maori-ähnlichem kriegstattoo ankommen würde, gäbe es einen aufschrei, doch selbst machen die damen im prinzip das selbe, nur eben viel dezenter. die gründe sind jedoch wieder fast die selben: nämlich den gegner zu beeindrucken.

wer sich nicht stechen lassen möchte, schminkt sich eben einfach nur. ich könnte mir das ja nie antun, bzw. könnte ich mir all das was mit den augen, bzw. rund um die augen geschieht nicht antun. vom brauen zupfen rede ich dabei noch gar nicht. sich schwarze farbe an die innenseite des lides zu schmieren - dazu muss man schon ein wenig masochistisch veranlagt sein. oder verzweifelt. und dann nach dem abschminken erkennt einen der eigene partner nicht mehr. das ist doch eigentlich betrug.

ja und dann werden haare gefärbt, geglättet, verdauerwellt und künstlich verlängert. an anderer stelle werden sie dafür abrasiert oder gleich ganz mit der wurzel ausgerissen. nägel werden angemalt oder gleich durch künstliche ersetzt und bhs machen aus brüsten mehr als eigentlich vorhanden wäre.

hat frau eigentlich keine angst, dass mann davonläuft wenn er sie das erste mal ungeschminkt, unrasiert und ohne unterstützende maßnahmen sieht?

ja, natürlich mag ich auch, so wie die meisten männer, schön und gut geschminkte frauen, schöne haare, glatte beine (und andere glatte stellen), betonte brüste, aber man kann auch alles übertreiben. schlauchbootlippen, botoxstarre mimik und betonbusen fände ich gruselig. mir sind orangenhautdellen lieber, als einstichnarben von der fettabsaugung, lieber altersmäßig angemessen hängende brüste, als steinharte plastiktitten, lieber lachfalten, als erstarrtes gesicht und lieber angegraute echte haare als gefärbte falsche.

und mal ehrlich meine damen: es gibt keine zu kleinen titten! es gibt nur den falschen mann dazu!

gefährlich finde ich diese einstellung, dass man ja sowieso alles mit dem körper machen kann, dass es völlig egal ist wie man zur welt kommt, dass man den körper formen kann wie man will. NEIN! das ist eben nicht so! man kann nur mit dem arbeiten was da ist. ja, natürlich wäre es sogar möglich zu kurze beine zu verlängern, aber warum zur hölle sollte man das tun wollen? und ja, natürlich kann man aus einem mückenstich einen doppel-d busen aufblasen. sogar penisse kann man verlängern, um mal ein beispiel aus der männerwelt zu bringen. aber wie gesagt, diese einstellung, dass man sich seinen körper nach wunsch formt, ist gefährlich, denn damit wird schon jungen leuten beigebracht, dass sie sich nicht selbst akzeptieren müssen wie sie sind - und damit akzeptieren sie auch andere nicht wie sie sind. wenn 14jährige mädels schon von ihrer ersten brustvergrößerung träumen, kommt mir das kalte kotzen. echt jetzt!

ich gebe zu, ich finde behaarte damenbeine unerotisch, ich will keinen hobbitfüße beim sex betrachten, geschweige denn fühlen  müssen (und auch sonst nicht), aber die beine zu rasieren oder sich mal eben die nase korrigieren zu lassen (um endlich von den titten als ewiges beispiel wegzukommen), das ist schon ein sehr großer unterschied! beim einen blutet frau vielleicht ein bisschen wenn mal was schief geht, beim anderen ist sie möglicherweise vollends entstellt, oder liegt im schlimmsten fall unter der erde. ist es das wert?

Sonntag, 9. Februar 2014

NACKT UND BLOSS



meine seele stript

ganz wie von selbst, allein

nackt, blank soll sie sein



kennt heut keine scham

es sieht sie doch niemand an

innerstes aus stein



blicke ziehn vorbei

zuckend, nackt und bloß

interessenlos




Samstag, 8. Februar 2014

BUCHAUSZUG - KAPITEL 8, TEIL 1 - GETRÄNKESTUDIEN

8


Hey Boy lass doch den Whisky
und denk’ doch mal an mich
hey Boy lass doch den Whisky
sonst lass ich dich im Stich
Ich hab’ dich doch genauso lieb
auch wenn es nur Limonade gibt
hey Boy lass doch den Whisky und denk’ mal an mich
~ Manuela, “ Hey Boy lass doch den Whiskey-” ~



Nick war tot. Er war vor Langeweile eines langsamen und qualvollen Todes gestorben. Nachdem er sich erst eine Zeitlang mit dem auf dem Betriebssystem des Laptops vorinstallierten Solitaire beschäftigt hatte, ihm dies jedoch schnell zu langweilig geworden war, da sich einfach kein Gegner fand den man mit diesen Spielkarten töten konnte, hatte er angefangen die Dateien auf seiner Meinung nach interessanteren Spielen zu durchsuchen. Nach einem Zwischenstopp in Toms erstaunlich umfangreicher Pornosammlung und kurzer Recherche ob sich in dieser Sammlung vielleicht interessante Fotos von Manuela finden ließen (Nein, da war nichts zu finden), war er auf Carcassonne und Risk2 gestoßen. Tom hielt ja nichts von Spielen in denen es darum ging wie schnell man sich bestimmte Tastenkombinationen merken konnte und wie schnell man diese im richtigen Moment imstande war auszuführen um einen Gegner nicht nur auszuschalten, sondern im besten Falle auch noch richtiggehenden abzuschlachten. Tom liebte Spiele in denen man sich Zeit lassen konnte sich den nächsten Schritt zu überlegen, in denen man Rätsel lösen und kombinieren musste um ans Ziel zu gelangen und Spiele deren Konzept im Grunde recht einfach gestrickt war, das Spiel aber jedes Mal neu aussah und neu verlief. Dies war bei Carcassonne und Risk2 der Fall. Darum hatte er diese Spiele und spielte sie trotz ihres in Computerspielmaßstäben gemessenen hohen Alters immer noch sehr gerne. Und nun war also Big Nick gerade dabei in Risk2 die Weltherrschaft an sich zu reißen.

            Funky öffnete bereits aus 20 Metern Entfernung mittels Fernsteuerung seinen schwarzen teuren Kombi und der Wagen begrüßte ihn mit seinem elektronischen Schwanzwedeln, indem er die Blinklichter zwei mal kurz aufleuchten ließ und fiepte. Er öffnete die Ladeklappe des Kofferraums, die dabei ein Geräusch machte als ob ein kleiner Drache heiser gähnen müsste, schmiss seinen riesigen Aluminium-Kabelkoffer hinein, warf die Kofferraumklappe mit sattem „WUMMP“ wieder zu und deutete Little John und Tom einzusteigen. Es entbrannte ein kurzer Kampf zwischen den Brüdern um das Vorrecht am Beifahrersitz platz nehmen zu dürfen, den Tom mit den Worten „ich sitz dann auf der Rückfahrt hinten“ für sich entschied, wobei beide wussten, dass er das natürlich nicht ernst meinte. Funky startete sein Killermobil und plötzlich saß Isaac Hayes im Kofferraum und spielte in veritabler Lautstärke „Run Faye Run“. Der Rest der ungefähr fünfzehnminütigen Fahrt gestaltete sich musikmäßig sehr ähnlich: Soundtracks zu Tarantino-Filmen und Surfgitarren.
            Dass sie fünfzehn Minuten später in eine Gegend voller Hochhäuser einbiegen würden hatte Tom nicht erwartet. Und erst recht nicht, dass der Typ, der offensichtlich keinen Anzug von der Stange trug und dessen Schuhe auch nicht so aussahen, als ob man sie bei Deichmann oder Jello in der Grabbelkiste finden könne UND der noch dazu einen relativ teuren Wagen fuhr, tatsächlich in die Tiefgarageneinfahrt eines solchen Wohnsilos eintauchte. 
            In der Tiefgarage stiegen alle aus dem Wagen aus, Funky ließ ihn zur Verabschiedung noch einmal fiepen und mit dem Schwanz wedeln, und im Gänsemarsch, Anführer „Killer im Anzug“ voraus, traten sie durch eine Stahltür in einen dunklen Gang ein. Nach ca. 36maligem Abbiegen hatte Tom die Orientierung in diesem Labyrinth völlig verloren und begann darüber nachzudenken, ob im internationalen Menschenhandel vielleicht auch ältere beleibte Kerle gefragt waren, doch dann standen sie endlich zu dritt vor der Lifttür und warteten gemeinsam schweigend auf das „BING“, welches die Ankunft der Kabine ankündigen würde.
            In der Kabine steckte Funky einen Schlüssel in ein passendes Schloss, drehte ihn um und drückte auf den obersten Knopf der mit einem „P“ gekennzeichnet war. Immer noch schweigend ließen sie sich ohne Zwischenstopp von der Liftkabine nach oben tragen, bis diese ein wenig zu abrupt im mit „P“ bezeichneten Stockwerk stehen blieb und sich die Schiebetüren des Aufzugs langsam auseinander schoben und den Blick auf Funkys Penthousewohnung freigaben.

            Nick hatte gerade seinen zweiten Gegner (Marasin) eliminiert und begann sich zu fragen ob sich nicht vielleicht irgendwo alter Elektronikschrott und nicht mehr benötigte Kabel finden könnten. Vielleicht ließe sich ja daraus was brauchbares zusammenbasteln.
            „Hey, Mr. Grizzley…“

            Die auseinander gleitenden Lifttüren gaben den Blick auf einen großzügigen, geschmackvollen und sicher nicht durch Ikea eingerichteten Vorraum frei. Es herrschten klare gerade Linien, die Farben Schwarz, Blau und Silber und schlichte Formen vor.
            „Ahhhhh, da sind ja meine Mädels!“ Drei Katzen, eine Schwarz, eine Weiß, die dritte Schwarz-Weiß gescheckt, kamen auf die Lifttür zugelaufen und begrüßten Funky, indem sie um seine Beine herumstreiften und ihre kleinen süßen Katzenköpfchen dagegen stießen. Ihm sah man die Freude an durch diese kleinen Dinger begrüßt zu werden. „Das sind Blacky, Schneeball und Milka!“ Er lachte und verfiel in eine art Babysprache während er mit den Muschikätzchens redete: „Na dududu? Jaaaa…. du auch Kleines, habt Ihr euer Papilein vermisst, hmmm? Ihr wollt doch sicher ein kleines Fressi-Fressi, stimmts?“ In diesem Ton plapperte er munter weiter während er das schwarze Kätzchen ungeachtet etwaiger Haircrimes die es an seinem Anzug verursachen würde aufhob, den Alukoffer gleich neben dem Lifteingang abstellte und dann, vermutlich in Richtung Küche, davon marschierte. Die anderen beiden Kitties folgten ihm.
            „Aha, das sind also die ominösen Mädels“ dachte sich Tom und grinste still in sich hinein.
            „Setzt euch und nehmt euch einen Drink aus der Bar“ rief der Katzenliebhaber Joe und Tom über die Schulter zu, während er zusammen mit seinem Hofstaat durch die Tür verschwand.
            „Gibt’s denn keinen Kaffee?“ Rief ihm Tom noch nach, doch er bekam keine Antwort mehr. Entweder hatte es der katzenverseuchte Killer nicht mehr gehört, oder Toms Bitte um Kaffee wurde einfach ignoriert. So wie Tom Funky einschätzte, nahm er an, dass zweiteres zutreffen würde, also ging er zur Bar, während es sich Little Joe in der großen, schwarzen aber gemütlichen Ledergarnitur gemütlich machte, und sah sich die Versammlung der diversen Alkoholika an. Als er jedoch einen schön altmodischen Syphon entdeckte, in dem sich vermutlich Wasser befinden würde, denn dafür waren die Dinger ja da, entschied er sich dafür sich einfach ein Glas Selters zu genehmigen. Schließlich hatte Funky ja nur gesagt er solle sich was aus der Bar nehmen, nicht dass es sich dabei auch um etwas Alkoholisches handeln müsse. Außerdem musste sich Tom ja noch von dem viel zu schnell heruntergestürzten „Puschkin Spezial“ erholen. Er brachte Joe auch ein Gläschen Selters mit, was diesem jedoch nicht sehr gefiel.
            „Heeeeh, ich dachte ich bekomme jetzt  mal was Anständiges zu trinken.“ Blaffte ihn Joe an.
            „Nix da, wir sind nicht zum saufen hier“ entgegnete ihm Tom. „Mich interessiert nur das Kabel, außerdem will ich so schnell wie möglich wieder zurück, es ist ja bereits halb Sechs.
            „Ach was, mach dir keinen Kopf, ist ja noch Zeit genug“ meinte Joe, nahm das Glas Selters entgegen, leerte es in einem Zug und ging mit dem nun leeren Glas rülpsend zur Bar um sich aus einer Flasche „Macallan“ einen 30 Jahre alten Scotch einzuschenken.
            „Na, viel Spaß damit“ meinte Tom, „das Zeugs schmeckt nämlich nach Torfwasser mit einer Prise Salz.“
            „Echt?“ wunderte sich Joe, „ich dachte das schmeckt eher malzig, ein wenig nussig und süßlich?“
            „Nein, das was du meinst ist Bourbon.“
            „Aha, und wo ist da der Unterschied?“ wollte Joe nun wissen, „ist doch beides Whiskey, oder?“.
            „Nun, zunächst einmal heißt es in Amerika, der Heimat des Bourbon, und in auch Irland, der Heimat des Scotch, Whiskey mit einem E und in Schottland, ebenfalls Heimat des Scotch, heißt es Whisky, ohne E!“ Funky stand in der Küchentür und begann Joe ob seines Mangels an Wissen über die Unterscheide zwischen Scotch und Bourbon zu belehren.


            „Ausserdem“, fuhr er fort, „Scotch Whisky darf sich nur ein Destillat nennen, das in einer schottischen Destillerie hergestellt, mindestens 40 Volumenprozent Alkoholanteil hat und mindestens drei Jahre in Eichenholzfässern in Schottland gereift ist. Üblich ist eine Lagerungszeit von acht bis zwölf Jahren, aber auch 15, 20, 25 – wie der Macalla, den du gerade so unwissend in dich reinschüttest - , 30 und 50 Jahren. Je nach Brennerei hat ein Whisky nach unterschiedlich vielen Jahren das Optimum der Balance zwischen Destillerie-Charakter und dem Einfluss der Reifung erreicht. Bei der Mehrzahl der Brände dauert diese Zeit zwischen 12 und 15 Jahren. Sehr alte Whiskys sind zwar oft besonders rund, weich und voll, dies geschieht jedoch oft auf Kosten der Individualität, da die Faßnote zunehmend dominiert. Die verbreitete Annahme, Whisky sei besser, je älter er ist, gilt also nur mit Einschränkungen. So viel zum schottischen Scotch, nun zum irischen: Für das Darren des Malzes für irischen Whiskey wird in der Regel kein offenes Torffeuer verwendet, das Malz kommt somit nicht mit dem Rauch in Kontakt wodurch irischer Whiskey milder, fast süß ist, als die meist rauchigen schottischen Whiskys. Auch wird er traditionell dreifach destilliert. Im Gegensatz zum schottischen, der bis auf wenige Ausnahmen generell zweifach destilliert wird. Aus diesem Grund schmeckt Irischer Whiskey oft bekömmlicher als der torfig-salzige Geschmack des schottischen Scotch, wobei der Salzgeschmack entweder aus der Nähe der Destillierie zum Meer herrührt, oder auch weil es früher üblich war, für die Lagerung des Whiskys jede art von Fässern zu verwenden, also auch solche, in denen vorher gesalzener Fisch aufbewahrt worden war. Zudem wird Scotch nur aus Weizen, Roggen oder Gerste gebrannt. So viel zum Scotch, nun zum Borbon:“ Funky schritt zu seiner Bar und schenkte sich ein großes Glas des selben Stoffes ein den auch bereits Joe gewählt hatte. „Bourbon ist ein Whiskey, der aus mindestens 51% Mais hergestellt werden muss, bevorzugt wird ein Maisanteil in der Maische von etwa 65 - 75%. Darüber hinaus gibt es eine gesetzlich vorgeschriebene Lagerzeit von zwei Jahren, die in neuen, innen angekohlten Weißeichenfässern absolviert werden muss. Die Verwendung von frischen Eichenfässern, die dem Bourbon einen guten Teil seines Geschmacks verleihen, wurde übrigens nicht etwa des Geschmackes wegen eingeführt. Nein, vielmehr wollte man zu Beginn des 20. Jahrhunderts strukturschwache Regionen mit üppigen Wäldern. z. B. Arkansas, wirtschaftlich unterstützen. Bourbon Whiskey erreicht aufgrund des frischen Holzes der Fässer und der klimatischen Verhältnisse seiner Herstellungsregion seine Reife schon nach wenigen Jahren. Die Bezeichnung stammt vom Bourbon County in Kentucky, das nach dem französischen Herrschergeschlecht der Bourbonen benannt wurde. In Österreich gibt es übrigens ebenfalls Experimente, einen Single Malt Whisky herzustellen. Auch in Frankreich, Indien, Japan, Deutschland, der Schweiz und natürlich nicht zu vergessen in Kanada, Neuseeland und Australien wird Whisky hergestellt und in Thailand wird ein Whisky aus Reis angeboten. Selbstverständlich besitze ich eine Auswahl aus all diesen Ländern, jedoch nicht hier in meiner bescheidenen Hausbar, sondern in meinem Whiskeykeller, der sich natürlich ganz woanders befindet. Wollt ihr euch den vielleicht ansehen?“ beendete Funky seinen Vortrag.
            „Wow…. Gott schütze Wikipedia, was?“ grinste ihn Joe an.
            „Ah, nein danke“ meinte Tom noch ein wenig baff, „Ich möchte eigentlich nur gerne das Kabel und dann wieder zurück zu meinem DJ-Gig. Schön langsam brennt mir auch die Zeit unter den Nägeln“
            „Gemach, gemach“ Funky zwinkerte Tom zu und schritt durch eine weitere Tür aus dem Raum. Tom Und Joe sahen sich mit hochgezogenen Augenbrauen an und Funky kam auch schnell wieder zurück. Er hatte zwei Koffer in den Händen. Einen weiteren großen Aluminiumkoffer und einen kleinen schwarzen Aktenkoffer aus Leder. Er stellte den größeren Koffer neben das geschmackvolle Tischchen aus Glas und Metall und legte den Lederkoffer darauf. Er schickte sich an den Koffer zu öffnen, hatte bereits die Daumen auf dem Schnappverschluss und sah plötzlich mit zusammengekniffenen Augen hoch zu Tom. „DU willst mich wohl verarschen, was? Trinkst hier Mineralwasser, wie?
            „Nein, Selters, bzw. Leitungswasser mit Kohlensäure, oder was auch immer du in deinem Syphon eingefüllt hast.“
            „Ich sags noch mal: verarsch mich nicht!“ knurrte ihn Funky an. „Der Ausdruck Selterswasser oder Selters, in Nord- und Ostdeutschland umgangssprachlich auch Selter, vereinzelt auch Aqua Seltzer, wird heute häufig zur Bezeichnung von kohlensäurehaltigem Mineralwasser verwendet. Selters ist zudem der Name einer bekannten Mineralwassermarke.“ Er nahm Toms Glas in die Hand un betrachtete es versonnen. „Also trinkst du Mineralwasser während wir anderen hier uns brav an den Alkohol halten? Nun, gut, aber glaub bloß nicht dass du um deine wohlverdiente Dröhnung kommst!“ Funky lachte dreckig, ließ die Schlösser des Lederkoffers aufschnappen und drehte ihn so herum, dass Tom sehen konnte was sich darin befand. Zwei Säckchen mit weißem Pulver, ein Säckchen mit braunen Bröckchen, eines mit dunkelgrün-braunen getrockneten Pflanzen die ein wenig an Gewürze erinnerten und diverse Plastikbeutel mit verschiedenen Pillen. „Heroin, Kokain, Marihuana, Gras, Speed, Extasy, Uppers, Downers… was auch immer ihr bevorzugt, ich habe es, ihr braucht es nur zu sagen.
            „Höhöhö, ist das eine Enladung?“ frug ihn Joe sichtlich erfreut. Wenn es anatomisch möglich gewesen wäre hätte er in diesem Augenblick um den ganzen Kopf herum gegrinst.
            „Ja!“ bestätigte Funky. „Eine Einladung und auch eine Aufforderung!“
            „Oje, nein danke, ich bin nicht der Typ der sich gerne zudröhnt, wie du vielleicht bereits bemerkt hast“ versuchte Tom die Einladung höflich abzuwehren. "Ausserdem wäre ich gerne halbwegs nüchtern, wenn ich heute mein Set spiele."
            „Ich neige nicht zu Anordnungen“ konterte Funky, „aber ich wünsche es mir sehr, dass du meine Gastfreundschaft gebührend zu schätzen weisst.“ Er griff mit der rechten Hand unter sein Sakko, als er sie wieder hervorzog kam eine erstaunlich große, ölig-schwarz glänzende Pistole zum Vorschein. Er legte sie demonstrativ, fast schon mit einer zärtlichen Bewegung auf den Glastisch.
            „Nun?“ fragte er und sah Tom herausfordernd an.

            Nick saß im Schein einer nackten Glühbirne in einer art Kellergang mit feuchten Wänden, der zum PLANET NUTOPIA gehörte. Er schraubte gerade mit seinem Leatherman, den er als guter Tontechniker, quasi als Grundausstattung und letzten Notbehelf immer bei sich hatte, die letzte Schraube einer Lusterklemme fest, mit der er zwei Kabelenden miteinander verbunden hatte. Er musste immer wieder ausspucken, denn er hatte einen fürchterlichen Geschmack im Mund. Es war ihm in Ermangelung eines anderen Werkzeuges nichts weiter übrig geblieben, als die Kabelisolierungen mit seinen Zähnen abzuziehen. Und das Zeug war hier bestimmt schon Jahrelang in all dem Moder herumgelegen. Ausserdem hatte er das Isolierband, mit dem er potentielle offene Stellen isoliert hatte, ebenfalls mit den Zähnen abgerissen. Nun, die Arbeit hatte sich gelohnt. Er hielt ein brauchbares Verbindungskabel, Stereoklinke männlich auf der einen Seite, XLR männlich auf der anderen Seite, in seinen blutenden Händen. Nun, sie bluteten nicht wirklich, aber sie fühlten sich so an als ob sie bluten würden. Ein wenig zerschunden waren seine Finger dennoch, da winzig kleine und dünne Drähte, wie sie sich eben in Audiokabeln befinden, dazu neigen spröder zu sein als es den Anschein hat und gerne langsam aber sicher die Haut anritzen und einschneiden, wenn man mit nackten Fingern mit ihnen herumhantiert. Er packte sein Zeug zusammen und verließ das dunkle kalte Kellerloch, um sich bei Grizzley in der ebenfalls dunklen aber halbwegs warmen Disco ein Bier zu holen. Das hatte er sich jetzt verdient. Er trat auf die Tanzfläche, sank auf die Knie, hielt das Kabel mit beiden Händen wie eine Opfergabe in die Höhe und rief „IIIIIICH HABE FEUER GEMACHT!!!!!“