Sonntag, 7. Dezember 2014

SCHATZKISTE - O WIE OHRRING

o - wie ohrring



als ich sechzehn war, beschloss ich mir von meinem vater bei gewissen dingen nicht mehr reinreden zu lassen. also nahm ich einen teil meines ersten selbstverdienten geldes und marschierte zum hausarzt um mir professionell ein ohrloch stechen zu lassen - damit auch ja niemand auf die idee kam es gäbe irgendetwas daran herumzumeckern. ich war alt genug um es mir nicht verbieten zu lassen, ich hatte es selbst bezahlt und es wurde vom arzt durchgeführt. operation "wind aus den segeln nehmen" war somit ein voller erfolg. angepisst war mein vater trotzdem, aber das war zu erwarten.

wir befanden uns mitten in den 80er jahren, somit war das peinlichkeitspotential natürlich recht groß. und irgendwie ließ ich auch keine peinlichkeit aus. ich hatte ein faible für auffälliges gehänge, denn im gegensatz zu all den anderen proleten in meinem alter fand ich diese kleinen "flinserl", also diese ohrstecker mit einem glitzerstein drin, erstens hässlich und zweitens schwul. auf die idee, dass meine wahl noch schwuler aussehen könnte kam ich natürlich nicht.

irgendwann legte sich dann meine aufregung rund um meinen ohrring und ich begann nur mehr ganz normale ringe zu tragen. ohrstecker vermied ich nach wie vor - bis heute. und auch heute ist es ein völlig normaler ring. seltsamerweise fällt kaum jemanden auf dass ich einen ohrring trage. eine zeitlang bildete ich mir ein nur schwarze ringe tragen zu wollen, aber da diese, zumindest damals, nur sehr schwer zu finden waren, begnügte ich mich mit der normalen variante. mit der zeit werden silberohrringe sowieso ganz von selbst schwarz....