Sonntag, 21. September 2014

SCHATZKISTE - K WIE KUCKUCK

k - wie kuckuck



als sich meine eltern anfang der 90er scheiden ließen, hatte ich eigentlich keine großartige wahl wo ich denn in zukunft wohnen sollte. vater zog in eine kleine einzimmerwohnung und ich selbst hatte weder job, noch ausbildung, noch geld um mir etwas eigenes leisten zu können. da wir alle sowieso aufgrund anderer umstände aus der bisherigen gemeinsamen wohnung, in der ich meine gesamte jugend verbracht hatte; ausziehen mussten, blieb mir nichts anderes übrig, als zusammen mit meinen brüdern in mutters neue wohnung einzuziehen.

die wohnung an sich war eigentlich klasse, ziemlich groß, im 10. stock eines hochhauses, und hatte fast schon penthousecharakter. der haken an der ganzen sache war.... nein eigentlich gab es mehrere haken.

der erste war, dass unsere mutter natürlich die letzten 20 jahre hausfrau gewesen war und nun vor der aufgabe stand sich selbst geld verdienen zu müssen. also tat sie sich mit irgendeiner obskuren freundin zusammen und die beiden übernahmen gemeinsam eine windige spelunke. ich war genau ein mal in meinem leben dort - und dann nie wieder. ich war damals schon nicht sehr begeistert von anderen menschen, und von leuten die ihren lebensinhalt darin sehen sich jeden abend in der selben kneipe vollaufen zu lassen hielt ich immer schon nicht viel, bzw. nichts.

der nächste haken war, dass es nicht genug platz für alle in der an sich eigentlich recht großen wohnung gab, denn diese ominöse freundin war ebenfalls hier eingezogen und belegte natürlich ein eigenes zimmer. mutter hatte auch ihr eigenes zimmer und die beiden brüder hatten gemeinsam eines. ich hatte zwar auch ein zimmer, doch das war wohl das ehemalige näh- und bügelzimmer, gerade breit genug um einen schreibtisch hineinzustellen, ein regal und einen kasten. damit war es voll, ich musste also im wohnzimmer schlafen. das hatte wiederum den nachteil, dass ich ständig nachts gestört wurde. entweder kamen die damen recht spät nach hause und waren nicht gerade leise dabei, oder - die schlimmere variante - diese ominöse freundin schleppte einen kerl mit nach hause mit dem sie dann lautstark herumvögelte, was ich dummerweise mit anhören musste. und nein, ich fand das ganz und gar nicht geil., denn diese freundin war weder hübsch noch klug, so dass ich mir zwangsläufig  immer ihr unhübsches dummes gesicht dabei vorstellen musste.

ja, ich mochte diese blöde kuh ganz und gar nicht. nicht nur, dass ich mich mit ihr überhaupt nicht verstand, ich war sauer auf sie, weil ich wegen ihr kein eigenes richtiges zimmer hatte, weil ich sah wie sie meine mutter finanziell mit dieser spelunke in den abgrund trieb und weil sich dieses blöde weib zu all dem auch noch einen jungen hund zulegte um den sie sich überhaupt nicht kümmerte. das vieh machte alles mögliche kaputt und überall hin. so viel hundepisse wie in diesen wochen habe ich mein ganzes restliches leben nicht mehr aufgewischt. und der bedarf an hundekacke ist auch für den rest meines lebens gedeckt.

tja, stichwort "finanziell" - damit spannen wir nun endlich den bogen zum kuckuck. irgendwann war es dann soweit, dass das finanzielle gebäude der beiden zusammenbrach. der schöne geleaste bmw war plötzlich weg, die freundin auch, aber der gerichtsvollzieher war da. und der klebte natürlich auf alles das irgendwie wert haben könnte seine pfandmarken, die aufgrund des wappenadlers eben im volksmund "kuckuck" genannt werden drauf. das blöde an diesen gerichtsvollziehern ist, dass sie natürlich nicht wissen wem was gehört und einfach mal überall ihr ding draufpappen. so natürlich auch auf MEINE stereoanlage. es war meine erste eigene und ich hatte sie damals zum geburtstag von meinem vater geschenkt bekommen. ich konnte also nicht nachweisen, dass es meine war und nicht mutter gehörte. aber irgendwie hat sich sas dann doch geregelt, ich konnte meine anlage behalten - und den kuckuck auch.

in weiterer folge bekam ich dann auch mein eigenes richtiges zimmer, nachdem die doofe freundin ja nicht mehr vorhanden war, mutter zog aus und der vater zog ein. damit stabilisierten sich so langsam wieder die verhältnisse. trotzdem war danach nie mehr irgendwas auch nur annähernd so wie es vorher war.