Sonntag, 2. November 2014

SÄTTIGUNGSBEILAGE

.... das ist auch so ein wort das zunehmend aus der mode kommt. zum glück, möchte man fast sagen, denn es gibt schon lange keinen grund mehr eine beilage nur mehr deshalb auf den teller zu bringen, um zu gewährleisten, dass trotz mangels am hauptbestandteil (also in der regel fleisch) der esser trotzdem satt wird.

dieser begriff kommt ja aus zeiten, in denen geld und nahrungsmittel noch knapp waren. damals gab es nun mal nur ein mal in der woche fleisch, nämlich den sonntagsbraten, den rest der woche fütterte man sich mit bratkartoffeln, griesbrei, haferschleim und wässriger suppe durch. und damit man vom sonntagsbraten auch ja wirkich genug hatte, musste man auch diesen mittels beilagen strecken, damit niemand das gefühl haben musste es hätte nicht gereicht.

heutzutage sind aus vielen dieser ehemaligen sättigungsbeilagen ganze hauptgerichte geworden, vor allem aus den nudeln. wobei, inzwischen nennt man sie ja "pasta". ich entstamme jedoch einer generation, in der nudeln einfach nur beilage waren, außer wenn es spaghetti gab. wenn man mir also als hauptgericht irgendeine pasta mit sauce, nein mit sugo auftischt, frage ich mich immer obs zu was richtigem nicht gereicht hat, oder ob das nur der auftakt ist und das richtige essen dann noch kommt.

zu einem "richtigen" gericht gehört einfach ein trumm fleisch und ein bis zwei beilagen, wobei die beilagen das gute stück fleisch nicht verschwinden lassen dürfen. ich finde es aber auch unmöglich ein riesiges stück steak zu einem haufen salat zu servieren, oder noch schlimmer, zu EINER riesigen gekochten kartoffel. da mag das fleisch noch so gut sein, ich fühle mich um mein essen betrogen.


aber vielleicht ist das alles nur eine art generationenproblem. ich bin nun mal so aufgewachsen, außer spaghetti, ravioli und tortellini gab es noch keine pastagerichte (vielleicht noch lasagne), salat gab es zusätzlich zum essen in einer kleinen salatschüssel und nicht als unterlage zu einem stück fleisch. süßspeisen galten ebenfalls nicht als vollwertige mahlzeit, wie zum beispiel buchteln (wuchteln), dampfnudeln, germknödel, palatschinken (pfannkuchen), mohnnudeln oder was auch immer man sich diesbezüglich einfallen lassen kann, sondern höchstens als nachmittags-kaffeejause, oder als abendessen. seit scharen von touristen auf skihütten tonnen von überteuerten germknödeln verschlingen, sind diese jedoch plötzlich auch in den haushalten als mittagessen zu finden.

wie gesagt, vielleicht bin ich da einfach irgendwie konservativ. andererseits liebe ich zum beispiel asiatische und indische küche, in der es das fleisch immer nur geschnetzelt und unters gemüse gemischt gibt, ich mochte auch immer schon gulasch und reisfleisch, ebenso wurzelfleisch und sonstige eintopfvarianten. ich habe auch nichts gegen rein vegetarische gerichte, also warum rege ich mich jetzt gerade auf? vielleicht weil "sättigungsbeilage" ziemlich abwertend klingt. nicht nur für die beilage, so als ob sie nur dazu da wäre den magen zu stopfen, bzw. weil es nur auf den teller kommt weil es halt gerade da ist, sondern auch für die hauptsache, denn es impliziert, dass davon nicht genug vorhanden wäre. und nicht zuletzt werden damit auch koch und köchin abgewertet.