Sonntag, 16. November 2014

SCHATZKISTE - M WIE MILITÄR (RAUCHEN KANN DOCH LEBEN RETTEN..... IRGENDWIE)


m - wie militär





ich lernte bald welche dinge, außer jenen die man sowieso bei sich tragen musste, wichtig waren, bzw. was man klugerweise sonst so mit sich führen sollte wenn man die kaserne zu diversen übungen verließ. feuerzeug und zigaretten waren sowieso immer dabei. zudem hatte ich immer 3 tuben temperafarbe eingesteckt, die benutzte ich um gesicht und hände zu tarnen, wenn es verlangt war. später kamen dann noch stift und papier dazu. und davon erzähle ich heute:

das mit dem tarnen war sowieso eine witzige Geschichte. der gruppenkommandant deutete irgendwann in eine beliebige richtung und brüllte "tarnen! diese richtung (heftiges armwedeln in die besagte richtung), xx meter!" - das hieß im klartext, man musste sich, bzw. hauptächlich den helm so tarnen, dass man nicht auffiel, wenn man sich an dem genannten ort versteckte. das war gar nicht so schwer. über dem helm befand sich ein netz, damit konnte man ihn, bzw. sich selbst mit allerlei zeug das dort herumlag bestücken. meistens war es laub oder kleine äste, manchmal gras und stroh, hin und wieder moos, oder was auch immer an diesem ort zu finden war. blöd wurde es, wenn die gegend kahl war. man konnte sich ja schlecht sand auf den helm schütten, bzw. konnte man schon, nur war es nicht sehr sinnvoll.

zum tarnen selbst gehörte natürlich auch die sichtbare haut. das allermeiste wurde ja sowieso durch die uniform verdeckt, die in einem dezenten kackbraun gehalten war. wobei diese farbe tatsächlich ihren zweck erfüllte, denn kaum legte man sich irgendwo in die landschaft, verschmolz man durch diese farbe auf wundersame weise mit ihr. rucksack, waffen und alle anderen militärischen dinge die man so mit sich führen musste, hatten die selbe farbe. wenn man also etwas verlor, war es sehr schwer es wiederzufinden, ausser es handelte sich um knallpatronen (platzpatronen), diese waren nämlich blau. die sichtbare haut tarnte man in der regel dadurch, dass man sie anschwärzte. in der regel führte man also als soldat ein stück korken und ein feuerzeug mit sich, man kokelte den korken an und schmierte sich den ruß ins gesicht und auf die hände. mir war das jedoch zu blöd, außerdem dauerte mir das zu lange, darum verwendete ich einfach temperafarbe. die gab es nämlich in kleinen handlichen tuben die man bequem einstecken konnte. eine fingerspitze genügte, bzw. für tagsüber ein klecks braun und ein grüner, für die nacht schwarz. unangenehm wurde es nur, wenn die farbe eintrocknete, andererseits wurde der look erst so richtig verwegen, wenn man schwitzte und die farbe im gesicht anfing zu verlaufen.

was man ebenfalls unbedingt mit sich führen sollte, waren stift und papier. natürlich hatte uns das niemals irgendjemand gesagt, es wurde auch nie irgendwo erwähnt, auch nicht auf den ausrüstungs... dings... vorschriften... ja, äh..... also, morgens hing immer ein zettel am schwarzen brett, auf dem angeführt wurde welche adjustierung man für diesen tag vorzubereiten hatte. und je nachdem was dort stand, wurden dann auch die rucksäcke gepackt, auch dafür gab es vorschriften. mitdenken war ja nicht sehr gefragt.

jedenfalls brauchten wir das eines tages, da nämlich verlangt wurde, dass wir eine art bericht über unsere fiktive kampflage schreiben und an den kommandanten schicken sollten. natürlich hatte kaum jemand stift und papier dabei, ich selbst hatte zufällig einen kugelschreiber einstecken, weiß der geier warum, aber natürlich kein papier. zum glück fand ich in der landschaft eine alte zigarettenschachtel herumliegen und benutzte diese um meine höchst wichtigen nachrichten zu verfassen. das milderte zwar den allgemeinen zorn unseres kommandanten über unser aller nachlässigkeit nicht im geringsten, aber seit diesem tag hatte ich immer zettel und stift eingesteckt. ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich seitdem nie wieder etwas aufschreiben musste und das zeug umsonst mit mir mitschleppte.

wenn ich mich bemühe, könnte ich vermutlich noch entziffern was ich damals auf die schachtel kritzelte, aber ich erspare euch den inhalt dieser höchst geheimen militärischen unterlagen. mitraten dürft ihr jedoch gerne.