Sonntag, 2. November 2014

SCHATZKISTE - M WIE MILITÄR (GEPÄCKSBEFREIT)

m - wie militär



wie im letzten militärbeitrag bereits zu erahnen war, brauchte man wirklich für jeden scheiß eine genehmigung, einen zettel, einen auftrag, einen befehl, eine order, oder was auch immer. hauptsache es war offiziell genehmigt oder befohlen. vor allem dann, wenn irgendwas nicht im normalen rahmen ablief. das galt natürlich auch dafür, wenn man bestimmte dinge nicht machen konnte und sich befreien lassen musste.

ich hatte ja von anfang an die hoffnung, dass ich mich um den militärdienst drücken könnte. aber halt, lasst mich noch ein wenig weiter ausschweifen:

als es für mich damals ernst wurde, gab es nur zwei möglichkeiten, nein, eigentlich drei. entweder man war tauglich, oder man war untauglich. wenn man tauglich war, dann hatte man noch die wahl zwischen normalen militärdienst, oder zivildienst. also folgende drei möglichkeiten: 1) tauglich und militär, 2) tauglich und zivildienst, 3) untauglich. zu meiner zeit gab es jedoch noch eine kommission der man sich stellen musste, bzw. der man beweisen musste, dass man aus gewissensgründen keinen militärdienst absolvieren kann. ich war mir sehr sicher dieser prüfung nicht standhalten zu können, denn die fragen die einem dort laut berichten jener die dies bereits hinter sich hatten gestellt wurden, waren ziemlich hinterlistig, so dass man früher oder später, wenn man einfach nur ein ganz normaler mensch war, seine angebliche gewaltbereitschaft zur verteidigung von haus, grund, land und leben offenbaren würde. zudem gab es auch gerüchte, dass diejenigen, die von der kommission abgelehnt wurden, später dann beim militär ein noch mühsameres leben vor sich hätten, als es sowieso schon der fall war.

da ich also bereits ahnte, dass ich dieser prüfung nicht standhalten würde und absolut keine lust hatte mich zur zielscheibe zukünftiger vorgesetzter zu machen, verzichtete ich auf die möglichkeit des zivildienstes und setzte auf untauglichkeit durch ein angeborenes rückenleiden. zudem wusste ich auch, dass ich einen zivildienst in einem altersheim oder zur betreuung von menschen mit behinderung noch schlimmer finden würde als das militär. ich kann schon generell nicht gut mit menschen, erst recht nicht, wenn es besonders schwierige menschen sind. das weiß ich und gebe es auch offen zu. ich habe kein problem wenn ich nur mal kurz mit ihnen zu tun habe, da bin ich dann auch wundervoll hilfsbereit und geduldig, doch auf dauer würde ich das einfach nicht aushalten.

wie gesagt setzte ich also auf untauglichkeit. doch bereits bei der musterung gab es die erste hürde, denn das röntgengerät der musterungsinstitution bildete den rückenbereich nur bis knapp oberhalb der lendenwirbel ab, doch "mein defekt" befand sich genau im lendenwirbelbereich. also bekam ich laut musterung eine tauglichkeitsstufe neun. diese stufen reichten von null bis zehn. null war nahezu nicht lebensfähig, zehn war der kerngesunde mustersoldat.

ich musste also noch einmal privat ein röntgenbild samt gutachten beibringen, was natürlich ewig dauerte, doch immerhin brachte es mir eine rückstufung auf fünf statt neun. dies enttäuschte mich ein wenig, denn mit vier wäre ich untauglich gewesen. aber immerhin wurde ich dadurch gepäckbefreit, musste den morgensport nicht mitmachen, durfte nicht so lange strecken marschieren wie die volltauglichen und wurde garantiert nicht zu diensten eingeteilt bei denen man lange stehen oder schwer tragen musste. es war also ein teilsieg, dennoch blieb mir das ganze drumherum, also das militär generell, nicht erspart.

warum ich nun also einen zettel mit datum mai (der grundwehrdienst begann anfang april), befristet auf juni besitze, ist mir ein wenig rätselhaft, denn eigentlich war ich ja dauerhaft gepäcksbefreit. vermutlich wollte man sich jedes monat aufs neue vergewissern dass keine wunderheilung stattgefunden hatte.....