Dienstag, 21. Oktober 2014

SCHATZKISTE - M WIE MILITÄR (AUSGANGSSCHEIN)

m- wie militär (ausgangsschein)




um die kaserne für längere zeit verlassen zu dürfen benötigte man einen ausgangsschein, oder einen dienstfreistellungsschein. auf verlangen musste man diesen einer eventuellen kontrolle durch die militärpolizei vorweisen. es war überhaupt ganz gut, wenn man nachweisen konnte, dass man berechtigt war sich während der normalen dienstzeiten außerhalb der kaserne aufzuhalten, vor allem in uniform. ohne uniform interessierte es sowieso niemanden

der erste schein den wir hier sehen ist gefälscht. ich bekam ein blankoexemplar in die hände und befreite mich spaßeshalber für die wehrdienstzeit vom militär. einer prüfung hätte dies nie standgehalten, darum verwendete ich es auch nie, es war einfach nur ein spaß für mich selbst.

zum zweiten schein gibt es eine geschichte.

wie man sehen kann, ist auf diesen scheinen genau vermerkt wie lange man sich außerhalb der kaserne aufhalten darf. selbst wenn wochenende war und man nach hause fuhr benötigte man solch einen schein. zudem bekam man damit ermäßigung für die zugfahrkarte, wobei man ja sowieso 2 mal im monat eine freikarte erhielt, die man, wenn man den zeitpunkt geschickt wählte, mehrmals verwenden konnte, weil man dann das datum ein wenig "ausbessern" konnte.

jedenfalls begab es sich, dass ich nach einem wochenende zuhause wieder einrücken musste. dies geschah normalerweise sonntag abend, denn der ausgang galt nur bis sonntag mitternacht. an diesem tag, bzw. abend setzte ich mich also in den zug und fuhr zurück in die kaserne. doch irgendwie hatte ich den falschen zug erwischt, denn er blieb nicht am kasernenstandort stehen und fuhr bis zur nächsten großen ortschaft durch, die jedoch 40 km entfernt war. da es schon sehr spät war, fuhr auch kein zug mehr in die gegenrichtung. also, was tun, kleiner wehrmann?

uns war eingeschärft worden, dass wir uns in solchen situationen sofort in der kaserne melden müssten. doch damals gab es noch keine handys, also machte ich mich auf die suche nach einer telefonzelle. man sollte meinen, dass es am bahnhof eine solche gegeben hätte, doch das war seltsamerweise nicht der fall. tja, man mache sich einmal in finsterster nacht in einem fremden ort auf die suche nach einer telefonzelle, das ist gar nicht so einfach. schlussendlich fand ich jedoch eine und rief in der kaserne an um die situation zu schildern. natürlich bat ich auch darum abgeholt zu werden, denn ich hatte ja keine möglichkeit zurück in die kaserne zu kommen, aber der offizier vom dienst pfiff mir was. er meinte die kaserne wäre kein taxidienst für dumme wehrmänner die zu blöd sind um mit dem zug zu fahren.

nun wusste ich nicht recht was tun. autostopp kam nicht in frage, denn ich hatte sowieso absolut keine ahnung in welche fahrtrichtung ich mich stellen müsste um in die kaserne zu kommen, ich war ja total fremd dort. schlafplatz hatte ich natürlich auch keinen und zu fuß gehen war erst recht keine option. also schlurfte ich zurück zum bahnhof und legte mich dort im wartesaal aufs ohr. damals ging das noch ohne gleich verhaftet zu werden, außerdem gab es damals auch noch nicht diese einzelsitze die ein hinlegen unmöglich machen.

dummerweise verschlief ich die ersten 2-3 züge die mich in der früh zurück in die kaserne gebracht hätten, also kam ich dann dort um 2 stunden zu spät an. natürlich gab es großen wirbel, obwohl ich angerufen hatte, obwohl ich um abholung gebeten hatte und obwohl ich alles erklären konnte. mir wurde natürlich auch ein riesiges nachspiel angedroht, doch irgendwie kam das dann doch nie. glück gehabt. immerhin wurde ich so für kurze zeit zu einer kleinen legende unter den kameraden *g*.

jetzt nach all den jahren ist es eine lustige geschichte, doch damals fühlte ich mich wirklich absolut beschissen weil ich einfach von allen im stich gelassen worden war.