Mittwoch, 9. April 2014

BUCHAUSZUG - KAPITEL 11 - IN DER FALLE

            „There’s a killer on the road…“ brummelte Nick 15 Minuten späterin sich hinein, immer noch die Doors im Kopf und das nicht nachlassende Unwetter beobachtend, als es plötzlich sehr hell wurde und gleichzeitig ohrenbetäubend krachte. Die beiden erstarrten, quiekten und sahen sich wie in einer schlechten Sitcom gegenseitig entsetzt an.
            „Heilige Scheisse! Das muss direkt neben uns einge….“ Begann Tom, als es erneut anfing zu krachen. Doch dieses mal hörte es sich anders an. Es begann leise, wurde lauter, es mischte sich ein knirschen in das krachende Geräusch und plötzlich machte es *WUUUMPFFFTSSSS*, das Telefonhäuschen wackelte, die Beleuchtung fiel aus und ringsherum an den Fenstern, durch die man sehen hätte können was sich draußen so alles tut, wenn man denn etwas gesehen hätte, war alles plötzlich grün.
            „WWWAAAHHHHHH der Blitz hat in einen Baum gleich neben uns eingeschlagen, ihn gefällt und uns darunter begraben! Wir sind tot!“ Nick sah aus als würde er gleich entweder überschnappen oder in Ohnmacht fallen.
            „Beruhig dich, wir sind nicht tot! Dafür geht’s uns noch viel zu beschissen.“ Entgegnete ihm Tom und hüpfte von einem Bein aufs andere da sich durch das Telefonhaus ein Sturzbach ergoss und seine nur durch Stoffturnschuhen geschützten Füße bereits pitschnass waren. Diese Häuschen sind ja unten immer offen, so dass sich die Fluten ungehindert ihren Weg bahnen konnten.
            Tom versuchte die Tür des Häuschens zu öffnen, doch es drängte sich ein großer Ast beträchtlichen Umfangs dagegen, so dass es nicht möglich war die Türen nach außen hin zu öffnen. Dann fiel Tom ein dass man die Türen ja nach beiden Seiten hin öffnen kann und versuchte es anders herum. Natürlich funktionierte dies, brachte die beiden jedoch keinen Schritt weiter, da sich vor der Tür ein undurchdringliches Gestrüpp befand und sie eine Kettensäge, mindestens jedoch Macheten benötigt hätten, um sich dort hindurchzukämpfen.
            „Au, verdammt, was machen wir jetzt?“ sah Tom Nick fragend an.
            „Die Rettung anrufen?“ schlug Nick vor – und meinte es sogar ernst.
         „Ach quatsch, Rettung, ist einer von uns verletzt?“ frug ihn Tom. Nick schüttelte nur wortlos den Kopf. „Eben! Aber die Feuerwehr wäre vielleicht keine blöde Idee. Gib mir mal dein Handy, ich hab meines vorhin schon ins Auto gelegt.“
            „Öhm… blöde Geschichte… meins ist in meinem Rucksack und der ist auch in deinem Auto.“ Sagte Nick und schaute betreten zu Boden.
            „Mah so ein Scheiss, jetzt müssen wir warten bis zufällig jemand vorbeikommt.“ Tom zündete sich noch eine Zigarette an und starrte auf den grünen Urwald der sich nun direkt vor ihm befand und ihnen den Weg in die Freiheit versperrte.

            Das Unwetter hatte sich längst verzogen und es begann bereits zu dämmern, als sich Nick plötzlich mit der Hand vor die Stirn klatschte. „Oh mann, was sind wir doch für Deppen!“
            „Hm, was meinst du? Nur weil wir uns von der Natur haben fangen lassen sind wir noch lange nicht blöd, oder? Tom sah verständnislos an.
            „Nein, das nicht“ entgegnete Nick, „doch WORIN sind wir hier gefangen? HMMM?“ Nick schaute ihn erwartungsvoll mit großen Augen an.
            „In einem Telefonhäuschen…..“ Da dämmerte Tom was Nick meinte. „Mah, wir sind doch echt die letzten Deppen! Hast du Kleingeld dabei? Ich hab mein letztes für die Zigaretten verbraten“
            „Warte ich schau mal…“ Nick zauberte seine letzten Münzen hervor und suchte den Einwurfschlitz. „Oh-oh!“
            „Was Oh-oh? Problem?“
            „Ja, Problem!“ Antwortete Nick. „Das ist ein Automat für Wertkarten!“
          Tom hämmerte mit seiner Stirn gegen das Beschlagene Fenster. „Das darf doch nicht wahr sein!“ Schrie er in die Nacht hinaus. Doch plötzlich hielt er in seinem sinnlosen Tun inne. „Kann man Notrufnumern nicht sowieso immer und überall gratis anrufen?

            Eineinhalb Stunden später befanden sich Nick und Tom in einem Polizeiwachposten um Ihre Geschichte zu erzählen. Sie verstanden zwar nicht wozu, hatten sie doch nichts angestellt und im Grunde nichts mit der Sache zu tun, doch man hatte die beiden sanft dazu überredet eine Aussage zu machen. Es musste ja alles seine Richtigkeit haben, meinte der überaus nette Polizeibeamte. Also fügten sie sich ihrem Schicksal. Nur Nick saß wie auf Kohlen, hatte er doch die Taschen voller illegaler Substanzen. Nun, man würde ihn sicher nicht durchsuchen, doch unangenehm genug war es dennoch.

            Eine weitere Stunde später saßen sie in einem Streifenwagen, der sie zu Toms Auto bringen sollte. Nun war es an Tom wie auf Kohlen zu sitzen, denn seine Prüfplakette war bereits seit Monaten abgelaufen. Doch auch das war kein Thema. Die beiden wurden abgesetzt und freundlich verabschiedet.

            Tom und Nick bestaunten das Chaos rundherum. Überall lagen große Äste auf der Straße, auf den Gehwegen und sogar auf einigen Autos, Müll war überall verstreut, Blumenkästen umgeschmissen oder von Balkonen heruntergeweht, kurz, es sah fürchterlich aus.
            „Mal sehen wie es Little Joe erging, er konnte uns ja nicht erreichen, da wir beide unsere Handys im Auto liegen gelassen hatten“ sagte Tom, während er die Autotür aufsperrte. Joe lag am Rücksitz und schnarchte. Er erwachte jedoch, als auch Nick die Beifahrertür öffnete und sich mit einem lauten Seufzer auf den Sitz fallen ließ. Er schaute die beiden schlaftrunken an.
            „Hmmm… schon zurück? Zigaretten bekommen? Wieso isses denn schon so hell?“
            Nick und Tom schauten sich an und lachten gleichzeitig laut los.
          „Wir haben einen kleinen Umweg gemacht, einen Baum gefällt, sinnlos Zeit in einem sehr kleinen Kabuff verplempert und die Polizei gleich zwei mal an der Nase herumgeführt.“ Erzählte Nick dem staunenden Little Joe während Tom mit dem Auto losfuhr.
            „Und ausserdem…“ Tom bremste aprupt, stieg aus, klaute eine Zeitung aus dem Ständer, stieg wieder ein und knallte Joe die Zeitung nach hinten, „ausserdem sind wir nun berühmt!“ Beendete Tom seinen begonnen Satz und fuhr wieder los.
            Joe sah las die Schlagzeile:

UNTERLÄNDER IM STADTPARK VON BLITZ FAST ERSCHLAGEN – Durch Blitzschlag gefällter Baum verfehlte zwei Schwazer nur knapp“

            „Ich glaube da hab ich irgendwie ein bisschen was verschlafen“ Meinte er gähnend.

            „Definitiv!“ Erwiderten Tom und Nick im Chor….