Montag, 7. April 2014

DER RUMÄNISCHE METHUSALIX UND ICH

ich bin ein schlechter mensch! so richtig richtig schlecht. und asozial. ich kann nämlich bettler nicht leiden. mir gehen sie auf die nerven, weil sie mir ständig vor dem supermarkt auflauern und versuchen mir ein schlechtes gewissen zu machen. da sind mir die verkäufer des 20er (die tiroler version der obdachlosenzeitungen) weitaus lieber. die sind nicht aufdringlich, machen mir kein schlechtes gewissen und ich lese die zeitung auch gerne.

letztens fuhr ich wieder mal zu meinem lieblingsdiscounter zum einkaufen, da überfiel mich schon beim aussteigen ein altes kleines humpelndes männchen, offensichtlich völlig heruntergekommen, es hielt seinen personalausweis offen vor sich und erzählte in gebrochenem deutsch mit vielen ausländischen wörtern irgendwas von rumänien und autounfall und davon, dass es (das männchen) nur einen euro haben möchte um sich was zu essen zu kaufen. ich war gerade damit beschäftigt meinen kram aus dem auto heraus einzusammeln und wimmelte es erst mal ab. ich nenne den bettler deshalb "männchen", weil er eben so aussah, wie einer dieser alten die in den asterix comics vorkommen. wie methusalix oder jene, die in "asterix auf korsika" am dorfeingang sitzen. das hat nichts mit geringschätzung zu tun, sondern soll dem leser nur helfen das richtige bild zu assoziieren. alles klar? ok, dann weiter....

ich wimmelte es also ab und versuchte zu erklären, dass ich lieber erst mal einkaufen möchte, bevor ich fremden leuten einfach so geld schenke. damit schien es zufrieden und schlurfte davon. ich sah noch, wie eine andere kundin herauskam und ihm eine wurstsemmel oder ähnliches zusteckte, wie sich das männchen dafür überschwänglich bedanke, diese - wir bleiben mal bei dem begriff - wurstsemmel dann aber eher angenervt und interessenlos in seinen rucksack steckte. "aha" dachte ich so bei mir und ging einkaufen.

kaum war ich dann wieder heraussen und räumte meine einkäufe ins auto, stand das männchen schon wieder neben mir und erzählte mir das selbe, wie bereits 20 minuten vorher. da ich nun wirklich nicht wissen kann, ob es sich hier wirklich um einen notfall, oder um die bettelmafia handelt, kramte ich in meiner geldtasche herum. das männchen wollte einen euro, ich hatte aber nur 2-euro münzen und kleinkram in diversen centmünzen. also kratzte ich die cent zusammen und gab sie ihm. das war nicht wirklich nett, aber auch nicht unsympathisch. seis drum. ich wollte es sowieso nur loswerden, denn tief in mir drinnen glaubte ich eher an die mafia, als an echte bedürftigkeit.

warum denke ich so böse? ich wundere mich, wie jemand, der kaum deutsch kann, offensichtlich kein geld hat und sich auch noch nur sehr schlecht bewegen kann, den langen weg von rumänien bis in den westlichen teil österreichs schaffen kann. noch dazu in so ein kaff wie jenes in dem ich zuhause bin. wenn ich wirklich von rumänien nach österreich pilgere um mir mit bettelei mein leben zu verbessern, dann bleibe ich doch entweder gleich im osten oder süden hängen, und dort wohl eher in größeren städten und nicht in einem kaff, das nicht einmal 10.000 einwohner zählt. zudem ist rumänien mitglied in der eu. aus welchen gründen auch imemr sich dieses männchen hier in österreich befindet, es hat anrecht auf sämtliche sozialleistungen, so wie jeder andere eu-bürger auch. da gäbe es keinen grund zu betteln. oder täusche ich mich hierin?


nun, heute war ich wieder einkaufen, diesmal in einem anderen geschäft. und was soll ich sagen? kaum steige ich aus dem auto aus, steht wieder dieses männchen vor mir! ich dachte mich trifft der schlag! ich erklärte ihm dass es bereits am freitag geld von mir bekommen hatte und ließ es einfach stehen um einzukaufen.

natürlich stand es sofort wieder da, als ich das geschäft verließ. während ich meine tüten einräumte, versuchte ich dem männchen zu erklären, dass ich bereits am freitag "gespendet" hatte und nicht jedes mal wenn ich einkaufen gehe geld verschenken möchte. entweder wurde ich nicht verstanden, oder es wollte nicht verstehen. und während ich so diskutierte spürte ich wie sich die blicke aller passanten und zusätzlich jener, die neben dem geschäft auf der kaffeeterrasse saßen in meinen rücken bohrten. nicht angenehm! gar nicht angenehm! trotzdem blieb ich hart und gab nichts, setzte mich ins auto, ließ das männchen stehen und fuhr nach hause.

das arge daran war, dass das männchen ja wirklich total bedürftig aussah. und zudem war es auch noch extrem freundlich. man konnte ihm irgendwie nicht böse sein. und natürlich meldete sich bei diesem anblick das gewissen. das männchen hat es wirklich drauf, das muss man ihm lassen!

ich bin ja nicht immer so. manchmal gebe ich etwas, manchmal gebe ich sogar etwas mehr und manchmal möchte ich eben nichts geben - oder kann einfach nichts geben. und ich möchte ganz alleine und ohne druck entscheiden können ob ich etwas gebe oder nicht. wenn man mich mit aufdringlichkeit und der mitleidsmasche versucht zu zwingen, habe ich sowieso keine lust mehr dazu.

ich bin nämlich ein böser und schlechter mensch!