Mittwoch, 29. Januar 2014

TAKE A MILLION PICTURES

als es noch keine digitalkameras gab, waren bilder noch wertvoll. zumindest wertvoller als heutzutage. man musste einen fotoapparat kaufen, dann brauchte man den film dazu, meistens hatten auf einer rolle 24 oder 36 bilder platz und schwarzweiss war seltsamerweise teurer als farbe. wenn ein film voll war, brachte man ihn entweder in ein fotogeschäft, oder ließ ihn über den supermarkt entwickeln. dazu kam dann noch die entscheidung über die größe des bildformats und ob die bilder matt oder glänzend sein sollten. nach der entwicklung, dem abholen und bezahlen (in meiner erinnerung kostete die entwicklung einer rolle film irgendwas rund um die 100 schillinge, also ca. 7 euro) sortierte man die bilder und klebte sie in ein album. manchmal wurden die bilder auch einfach nur direkt im umschlag des fotolabors, oder in einer schachtel aufbewahrt.

um also 24 bilder zu bekommen, musste man erst mal eine gehörige anfangsinvestition tätigen, und die ressourcen waren auch nicht unbegrenzt. nach maximal 36 bildern war erst mal schluss, weitere bilder kosteten wieder geld, also überlegte man sich jedes bild ziemlich genau. man suchte das richtige motiv und versuchte nicht zu verwackeln. wenn man eine billige kamera hatte, musste man auch noch blitzwürfel kaufen, damit konnte man 4 bilder im dunkeln machen, dann war der würfel ausgebrannt und man brauchte einen neuen. gehobenere kameras hatten den blitz eingebaut und ganz teure benötigten wieder einen teuren blitz, beide varianten brauchten wiederum batterien, die immer viel zu schnell leer waren.

solcherart produzierte fotografieren hielt man in ehren, man spendierte ihnen die bereits weiter oben erwähnten fotoalben, ausser man war ein diafan. für dias brauchte man wiederum einen diaprojektor, mal abgesehen vom speziellen diafilm, der noch teurer war als herkömmlicher film. und so gab es entweder abende an denen man sich gemeinsam fotoalben ansah, oder im dunkeln dias an der wand bewundern konnte.


und heute?

heutzutage hat nahezu jedes handy, bzw. smartphone eine kamera eingebaut. die menge der aufzunehmenden bilder wird nur durch die speichermenge begrenzt, doch wenn man die bilder regelmäßig auf den eigenen computer überspielt, dann ist auch dieser platz nahezu nicht vollzukriegen - noch mehr, wenn bilder in der cloud gespeichert werden. ja, oft genug werden bilder direkt auf facebook, googleplus, instagram oder was weiss ich wo man sonst noch überall seine bilder deponieren kann hochgeladen, ohne zwischenstation, ohne irgendwo gespeichert zu werden, ausser eben auf dieser webseite.

und die qualität dieser per handy aufgenommenen bilder ist auch noch um ein vielfaches besser, als jene der mittelmäßigen kameras aus analogen tagen! 

ein bild kostet heutzutage also nichts mehr. deshalb nimmt man sich nicht zurück und fotografiert alles und jeden, bis hin zum mittagessen, das man dann mittels facebook und twitter mit der welt teilt. und so fallen auch die abende flach an denen man früher gemeinsam fotoalben oder dias ansah, denn es wird einfach das album im internet geteilt und schon können sich alle bekannten und verwandten ansehen wie toll der urlaub war. im besten fall sogar noch während man sich immer noch im urlaub befindet, man muss das zeug ja nur zwischendrin mal hochladen.

doch was wird davon bleiben? wo sind die heute aufgenommenen bilder in 10 jahren? in 20, 50 oder 100 jahren? theoretisch sind digitale bilder zwar unzerstörbar, man kann sie also in 100 oder noch mehr jahren immer noch in der selben qualität ansehen wie am tag der aufnahme, doch was wenn das speichermedium verloren oder kaputt geht? was wenn man den zugang zu den im web ausgelagerten dateien verliert? wie kommt mein kind in 50 jahren an meine bilder? werden die dateiformate in 50 jahren überhaupt noch üblich, bzw. lesbar sein?

ja, natürlich könnte man sich die bilder ausdrucken, auf sündteurem fotopapier mit einem entsprechenden drucker, doch wer macht das schon? machst du, lieber leser, das denn? man könnte aber auch mit der speicherkarte oder dem usb stick ins fotolabor gehen und sich die bilder entwickeln lassen, doch auch dort wären es nur ausdrucke. wirkliche analoge bilder, auf einem papier, das auf licht und chemikalien reagiert, gibt es fast nicht mehr.

ein wenig erinnert mich das an die musikkassetten. all das was diese alten medien so liebenswert machte, nämliche ihre fehler und unzulänglichkeiten, wurden mit dem digitalen zeitalter ausgemerzt - doch zu welchem preis?

ich will nicht rumjammern, nicht falsch verstehen, ich weiss die vorzüge des digitalen bildes durchaus zu schätzen, dennoch trauere ich auch den diaabenden und den fotoalben nach.

ich stehe im supermarkt vor einem riesigen regal mit perfekten und extrem wohlschmeckenden marmeladen, gelees und konfitüren, doch urgroßmutters apfelgelee werde ich dort niemals finden.