Samstag, 22. März 2014

GENERATION KRASS

hin und wieder stolpere ich zwischen all meinem hochkulturellen, multiintellektuellen und extremwissenschaftlichen zeug das ich sonst so lese und verfolge auch über reinstes revolverblattmaterial und dubioses boulevardgetuschle. ich mache das jedoch absichtlich, ich möchte ja wissen, wie es in der echten welt da draussen wirklich zugeht, damit ich weiss wie ich mich richtig zu benehmen habe um nicht aufzufallen.

heute flatterte mir ein diesbezügliches kleinod in die hände, respektive auf den bildschirm. es handelt sich um einen öffentlichen brief eines beinahe-c-prominenten, genauer gesagt um den dsds kandidaten patric. die art und weise wie dieses schriftstück verfasst wurde, gibt mir erschreckend klaren einblick in die gedankenwelt der heutigen generation, die ich hiermit offiziell als "generation krass" betiteln möchte.

es folgen nun einige auszüge aus diesem, ähm, machwerk, die ich kommentieren werde:

"ich habe jetzt lange lange und viel mit mir kämpfen müssen bis ich vom Kopf her an diesem Punkt stehe."

und hier geht es auch sofort mit kindergartensprache los. warum schreibt patric nicht "ich musste sehr lange mit mir kämpfen" anstatt "ich habe jetzt lange und viel mit mir kämpfen müssen"? das wäre sehr viel eleganter und nicht so holprig. und was will uns der betreffende mit "bis ich vom kopf her an diesem punkt stehe" sagen? er macht kopfstand? er steht mit seinem kopf irgendwo rum? vermutlich meint er "bis ich gedanklich so weit (oder auch: an diesem punkt angelangt) war".

"Vorher will ich sagen, das ich allen von Herzen dankbar für diese unvergessliche, hammer Zeit bin und für alle die tollen Menschen die ich kennenlernen durfte."
was ist hier nun mit "vorher" gemeint? wenn dieser satz an zweiter stelle steht, ist es nicht mehr "vorher", wenn danach noch etwas kommt (und des kommt noch viel!), dann sollte man sich doch auch darauf beziehen. darauf, dass hier "das/dass" falsch geschrieben wurde, gehe ich besser erst gar nicht ein. dazu passt auch, dass dem verfasser nichts besseres als "hammer zeit" einfiel, um eine schöne, wundervolle, tolle, gute, aussergewöhnliche oder sonstwie für ihn besondere zeit zu beschreiben. als ich jung war, war alles "geil", dann wurde alles "super", später "mega" und nun ist alles einfach nur "hammer". das weckt in mir die assoziation, als ob jene, welchen diesen hilfsausdruck mangels besseren wortschatzes verwenden, irgendwann einmal diesen gegenständlichen hammer auf den kopf bekommen hätten. zudem weckt es in mir das verlangen ihnen diesen hammer mitten in die fresse zu klatschen. hammermäßig halt.

"Ich hoffe, das was jetzt kommt, wird mir nicht zu übel genommen!"
keine bange, was bisher kam reicht schon völlig aus!

"(...) und jetzt habe ich für mich selber gemerkt, das dieser Weg nicht meiner ist."
wir haben hier zunächst einmal wieder das falsche "das/dass". ich wundere mich jedoch vor allem darüber, ob man auch für jemand anderen etwas merken kann, wenn man schon betont, dass man für sich selber etwas merkt? "ich habe gemerkt (oder auch bemerkt)" hätte völlig genügt.

"Da mich meine Mom angemeldet hat"
warum zur hölle, nennt man seine eigene mutter in einem schreiben, von dem annehmen kann, dass es im gesamten deutschsprachigen raum veröffentlicht werden wird, ganz flapsig "mom"? würde man auch "meine sis, mein bro, mein dad" schreiben? vermutlich schon, wer "meine mom" schreibt, der schreibt auch "meine sis". mir ist schon klar, dass man umgangssprachlich gerne mal die aus diversen amerikanischen tv-serien und filmen gebräuchlichen ausdrücke verwendet. vermutlich hört der durchschnittliche tv konsument in seinem leben öfter "mom" und "dad" als "mutter" und "vater", aber um himmels willen, diesen ausdruck verwende ich doch nicht in einem offiziellen schreiben, auch wenn der inhalt noch so persönlich sein mag!

"Ich hätte nie gedacht, das mir das so krass schwer fällt."
ja, wir haben hier wieder das falsche "das/dass" (rechtschreibung ist wohl eine geisel unserer zeit). und wir haben hier ein "krass". neben "hammer" ist "krass" wohl eines der schlimmsten eigenschaftswörter der jüngeren geschichte. wer dieses wort verwendet outet sich sofort als proll unterster liga. wem ausser "krass" nichts anderes einfällt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. dabei wäre es so einfach, man müsste es nur durch "sehr" ersetzen, oder einfach weglassen - und schon wird aus ghettosprache normales deutsch.

es gäbe noch einige (viele!) andere kleinigkeiten über die ich mich hier auslassen könnte, zum beispiel darüber, dass es sich hier um einen brief mit persönlicher anrede handelt, in solch einem brief wird jedoch jegliche persönliche anrede groß geschrieben, was in diesem fall jedoch konsequent vermieden wurde, aber ich denke, ich habe diesem armen kerl schon genug eins hammermäßig über den scheitel gezogen.

warum rege ich mich überhaupt darüber auf?

weil es mich traurig stimmt, dass jemand, der im licht der öffentlichkeit steht, nicht fähig ist, sich halbwegs zivilisiert unter einhaltung von grammatik und rechtschreibung zu artikulieren. die dsds kandidaten bekommen für jeden erdenklichen scheiss coaches zur seite gestellt, wenn einem von ihnen das klopapier zu hart ist, dann wird es gegen weicheres eingetauscht, aber wenn jemand solch einen brief verfasst, dann findet sich niemand der vor der veröffentlichung noch einmal drüber liest??????

krass!