Dienstag, 4. März 2014

REFUGIUM

als refugium bezichnet man einen ort des rückzugs, einen zufluchtsort. ein ort an dem man sich sicher fühlen kann, an dem man nicht behelligt wird.

im englischen hat sich die lateinische stammform in der bezeichnung für den flüchtling (refugee) noch erhalten, ebenso im französischen (réfugié).

jeder sollte über solch einen ort verfügen. kinder schaffen ihn sich oft im eigenen zimmer, manchmal in einer verstecken stelle im haus, oder ausserhalb des hauses. das gartenhaus meiner urgroßmutter war für mich ein refugium, ebenso die abstellkammer meiner großmutter.

männer basteln sich oft ihre männerhöhlen. die beeindruckendste durfte ich bei einem meiner onkel sehen: ein ausgebautes kellergewölbe mit bar und einem tischfußballtisch, vollgestopft mit alten dingen und schildern. viele männer ziehen sich ja auch oft in die garage, die werkstatt oder den schuppen zurück. früher war es in besseren häusern üblich, dass es ein arbeitszimmer für den herrn des hauses gab, das meist von niemandem betreten werden durfte, oft nicht einmal vom reinigungspersonal, ausser unter aufsicht. auch die tradition der herrenclubs geht auf das bedürfnis nach einem refugium zurück, auch wenn man sich hier die zuflucht teilen musste, aber oft genug gab es ja auch in gewissen räumen sprechverbot, so dass man sich ungestört und alleine mit sich selbst fühlen durfte.

und frauen? die zogen - und ziehen sich noch - meistens ins bad zurück. so etwas wie eine frauenhöhle gibt es nicht, höchstens ein bügelzimmer, oder, wenn frau glück hat, ein atelier, oder ein bastelzimmer. aber meistens wird den damen die möglichkeit eines refugiums verwehrt. kein wunder, dass sie sich ewig lange im bad aufhalten.

manchmal wird auch die toilette zu einem interims-refugium. für ein paar minuten, oder für ein kapitel im buch, einen artikel in der zeitschrift....

manche empfinden auch bestimmte orte in der natur als refugium, der lieblingsplatz unter dem baum am bach, oder ähnliches.

ich sehe auch gerne mein auto als refugium. manchmal ist es recht befriedigend sich einfach hineinzusetzen und irgendwo hinzufahren, um dann dort im auto sitzend ein paar minuten alleine zu verbringen. am allerbesten wenn es regnet. aber einfach durch die gegend zu fahren ist auch ok.

wenn ich es mir aussuchen könnte, bzw. die möglichkeit hätte es so einzurichten, dann hätte ich als refugium gerne ein kleines zimmer, bis oben hin und rundherum vollgestopft mit büchern in holzregalen, mit comics, mit schallplatten und cds. und natürlich mit einer kleinen, aber feinen stereoanlage. dazu einen riesigen ultrabequemen ohrensessel mit fußschemel und beistelltischchen. und natürlich müsste auch immer eine flasche trockener martini, trockener sherry, tiefroter portwein und exzellenter bourbon bereitstehen, samt gläser und eiswürfel. ja klar, natürlich auch antialkoholisches zum trinken. also am besten ein gut versteckter und ebenso gut gefüllter minikühlschrank. es müsste kerzen geben und aschenbecher. und vor allem einen schlüssel zum abschließen. hm... vielleicht noch eine couch auf der man mal kurz wegpennen kann.

ja, so müsste es sein.