Freitag, 4. Juli 2014

GRAND BUDAPEST HOTEL



als ich den hervorragenden film "das erstaunliche leben des walter mitty" in meinem blog, nun ja, vorstellte (denn es war weder eine kritik, noch eine stupide inhaltsangabe), stellte ich dabei die frage woran man denn einen guten film erkenne und lieferte auch sogleich die antwort mit den worten "ein film ist dann wirklich gut, wenn man nach dem abspann erst mal sitzen bleibt." heute habe ich ein weiteres indiz für das erkennen eines guten films: ein film ist dann wirklich gut, wenn man auf die uhr sieht und hofft, dass der film noch lange dauert. so erging es mir nämlich heute während "grand budapest hotel".

ich hatte mich ja schon seit längerem auf diesem film gefreut ohne wirklich zu wissen warum, aber mein spürsinn hatte mich nicht enttäuscht. ich sah zwar während des films nicht auf die uhr, sondern auf die laufleiste des players, das ist aber im grunde das selbe.

wie immer stellt sich nun die frage, wie ich meinem publikum einen film vorstellen soll ohne einfach nur eine inhaltsangabe zu machen, ohne zu kritisieren und ohne zu spoilern. nun, ich könnte zum beispiel all die großartigen schauspieler aufzählen, die sich in diesem filmkleinod tummeln, allen voran ein großartiger ralph fiennes, den der eine oder andere hauptsächlich als lord voldemort in den harry potter verfilmungen kennt. doch auch das möchte ich nicht, denn ich möchte niemandem den aha-effekt vermiesen, wenn er plötzlich den einen oder anderen schauspieler erkennt den man sich nun wirklich erwartet hätte und sich darüber freut, wie großartig und feinfühlig in diesem film dargestellt wird - und nicht geschauspielert.

dennoch möchte ich noch 2 weitere namen herausstreichen. der erste ist karl markovics, einfach wegen der tatsache, dass er ein österreichischer schauspieler ist und zudem ein oskar-preisträger. in grand budapest hotel spricht er jedoch kein wort und hat auch nur eine winzige nebenrolle - und genau das spricht für diesen film, der bis ins kleinste deatil durchkomponiert wurde.

der zweite name ist saoirse ronan, die mich bereits in "wer ist hanna" stark beeindruckte. ich prophezeie, dass man unbedingt lernen sollte diesen namen [ˈsɪrʃə ˈroʊnən] richtig auszusprechen, weil er uns garantiert noch oft begegenen wird.

grand budapest hotel ist eine geschichte in einer geschichte in einer geschichte in einer geschichte. das liest sich jetzt verwirrender als es tatsächlich ist. eine junge frau liest das buch zu dieser geschichte (1), in dem uns der autor davon erzählt (2) wie ihm wiederum vor vielen jahren erzählt wurde (3) .... nun ja, wovon der film nun eigentlich handelt (4). ca. 90% des films drehen sich um die tatsächliche geschichte, man ist also in keinster weise verwirrt. dies ist weder "inception", noch "sucker punch".

wes andersons bildsprache ist gewohnt unaufgeregt und bildgewaltig zugleich. zudem spielt er in diesem film mit dem bildformat. und das beste ist, dass es einem nicht einmal auffällt. so wie gute filmmusik eben. es ist eindeutig vorhanden, doch man bemerkt es nicht bis man zufällig genauer aufpasst oder mit der nase drauf gestoßen wird.

so ca. alle 3-6 monate schafft es die filmindustrie ein großartiges werk abzuliefern, das man meines erachtens nach wirklich und wahrhaftig unbedingt gesehen haben muss. mit "walter mitty", "der hundertjährige der aus dem fenster stieg und verschwand" und mit "grand budapest hotel" wurden wir im heurigen filmjahr bereits reich beschenkt. sollte nichts anständiges mehr nachkommen, so können wir dennoch glücklich und zufrieden sein.