Dienstag, 8. Juli 2014

IN DER VIELFALT VERIRRT

früher war alles besser! nun, ganz sicher nicht alles, aber EINE sache war ganz sicher besser, nämlich die kleinere auswahl.

"wie kann denn ein mangel an etwas besser sein"? fragt sich nun sicher der leser. nun, das ist ganz einfach. wenn die auswahl beschränkt ist, kann man sich besser auf den auswahlprozess, bzw. auf das gewählte konzentrieren. ich versuche das mal mit beispielen zu erklären:

beispiel nummer 1:

fangen wir mit dem filmbusiness an. als zum beispiel monty python begannen kinofilme zu produzieren hatten sie nur ein begrenztes budget zur verfügung und dennoch sind dabei großartige filme entstanden. nicht zuletzt deshalb weil sie mit dem budget knausern mussten und zum beispiel deshalb in "jabberwocky" die szenen mit dem fürchterlichen fabelwesen einfach per monty-python-typischer trickfilmanimation realisierten.

es gäbe sehr viele beispiele für filme die gerade durch ihr begrenztes budget so gut wurden wie sie sind, "the blair witch project" ist zum beispiel einer davon. begrenzte mittel beflügeln kreativität und phantasie, unbegrenzte mittel führen zu michael bay und einer reihe an gähnend langweiliger transformer filme.

beispiel nummer 2:

auch im musikbusiness kann man dieses phänomen beobachten. in zeiten in denen man wirklich alles machen kann, in denen einem jede art von klang und rhythmus zur verfügung steht, in zeiten in denen man nun tatsächlich nicht mehr singen können muss, weil das autotune das schon hinbiegt, in diesen zeiten ist es verdammt schwierig einen eigenen stil, geschweige denn einen eigenen sound zu entwickeln. es werden massen an zeit damit verplempert klänge und rhythmen auszuwählen, denn der nächste sound oder ein anderer rhythmus könnten ja noch viel besser passen als das was man schon hat. und schlussendlich klingt das was dabei rauskommt doch wieder genau so wie jeder zweite andere song, bzw. track der zur zeit auf dem markt ist.

sollte sich tatsächlich mal eine band oder ein interpret finden die es geschafft haben einen eigenen stil samt eigener klangfarbe zu entwickeln und damit erfolgreich zu sein, so dauert es nicht lange bis sich auch hier der einheitsbrei über das nachfolgealbum legt, denn nun hat man geld, nun kann man ja alles machen - und macht dann doch nur was alle machen. ja, natürlich gibt es ausnahmen, doch die sind dünn gesät

bis ende der neunziger jahre war es noch nicht so einfach, bis dahin war man darauf angewiesen welche instrumente man zur verfügung hatte. es gab nun mal nichts anderes - obwohl es bereits seit einem jahrzehnt sampler gab. also sah man zu was man mit dem was man hatte zustande brachte. nur ganz große superstars standen vor dem dilemma tun zu können worauf sie lust hatten, darum begannen eigentlich gute leute wie sting, phil collins, bryan adams, tina turner und wie sie auch immer heißen mögen plötzlich so zu klingen als hätten sie untereinander songs getauscht. wer heute einen eigenen sound zustande bringt hat entweder bereits vor der jahrtausendwende angefangen und es geschafft sich selbst treu zu bleiben, oder er steht gerade am anfang. oder er ist einfach ein genie.

beispiel nummer 3:

als ich noch kind, bzw. jugendlich war, gab es in der regel nur 2-3 tv-programme. und das auch noch nur zu bestimmten zeiten am tag. es gab ein vormittagsprogramm in dem man entweder bildungsfernsehen sehen konnte, oder, vor allem im winter, sportübertragungen, oder es wurden filme vom viorabend wiederholt, für jene die in der nacht arbeiten mussten. gegen mittag gab es sendepause, die erst wieder am späteren nachmittag mit dem kasperl oder am dam des endete. in den somemrferien begann das tv-programm am nachmittag ein wenig früher, denn da beglückte man die schüler mit solch hervorragenden serien wie zum beispiel knightrider, mc gyver oder ähnlichem. und gegen mitternacht kam dann nach der bundeshymne wieder das testbild.

heutzutage habe ich gefühlte 300 verschiedene tv-programme zur auswahl, rund um die uhr, 7 tage die woche. und trotzdem sehe ich im grunde viel weniger fern als früher. mein tv rennt zwar ca. 6 stunden am tag, weil ich ihn abends ein- und dann wenn ich zu bett gehe wieder ausschalte, doch ich setze mich nicht mehr bewusst hin und sehe fern, so wie ich es früher getan habe, als wir nur 2 sender und vielleicht 2-3 stunden interessantes fernsehprogramm am tag hatten. mein tv läuft immer nur nebenbei während ich mich mit anderen dingen an meinem laptop beschäftige.

früher sah ich mir jede woche die fernsehzeitschrift an und markierte mir jene sendungen die ich mir ansehen wollte. heute läuft das ding nebenbei, ich bekomme zwar mit was läuft und suche mir trotzdem immer noch aus was ich ansehen will, aber im grunde ist der tv nur mehr dazu da um mir anregungen dafür zu liefern was ich mir auf den laptop downloade um es mir dann auf ebendiesem per großem monitor und mit guter soundanlage so bewusst anzusehen, wie ich es früher mit fernsehsendungen tat.

beispiel nummer 4:

vielleicht täusche ich mich ja, aber ich glaube mich zu erinnern, das es zum beispiel früher im supermarkt nur eine, maximal zwei sorten joghurt gab. also natürlich mehrere sorten, aber nur 2 anbieter. das eine war die tirol milch, das andere die zillertaler molkerei. aber meistens gab es nur tirol milch und die frage welches joghurt man kaufen wollte beschränkte sich nur mehr auf die geschmacksrichtung. nudeln gab es ausschließlich von recheis und limonaden kamen entweder von der coca cola company (fanta, sprite), pepsi cola, oder vom regionalen anbieter silberquelle. naja, vielleicht mit glück noch almdudler und keli oder schartner bombe.

so zieht sich das eigentlich durch sämtliche produkte, völlig egal welches man als beispiel nimmt. käse, haarshampoo, papiertaschentücher, marmelade, essiggurken.... bei allen produkten gab es entweder nur einen, oder nur einige wenige anbieter. wenn ich heute in einen supermarkt gehe werde ich von auswahlmöglichkeiten erschlagen. ich ahbe die wahl entweder einfach nur das dritte von rechts oben zu nehmen, egal was es ist und dabei zu bleiben, oder mir das leben schwer zu machen indem ich versuche alle sorten durchzuprobieren. vielleicht bin ich mit dem probieren noch vor der pensionierung fertig, aber dann wurde das produkt das ich am liebsten mochte garantiert längst durch ein anderes ersetzt.

ich kann auch einfach bei dem bleiben das ich immer schon hatte, oder versuchen das preisgünstigste zu finden. wie auch immer, durch die produktvielfalt ist das leben keineswegs leichter geworden, im gegenteil, es wurde schwieriger.


genug der beispiele!

ich denke man hat nun verstanden was ich vermitteln wollte.

ich erinnere mich gerne an meine urlaube im ehemaligen jugoslawien. dort war es recht einfach sich zu entscheiden. entweder nahm man das eine einheimische, oder das sehr viel teurere importprodukt - sofern solches überhaupt vorrätig war. also schleckte man das jugoslawische eis (das ich übrigens sehr gerne mochte), bei dem man nur mit glück zwischen schokolade oder vanille wählen konnte, trank jugoslawische cola (die ich auch sehr gerne mochte) und rauchte eine von 4 rauchbaren sorten zigaretten. nun, auf dauer würde mir diese spartanische schlichtheit der auswahl nun doch auf den keks gehen, aber für 3-4 wochen fand ich es vollkommen ok.

umgelegt auf das hier und jetzt hätte ich auch nichts dagegen, wenn der vielfalt ein wenig einhalt geboten würde. ich brauche keine 300 tv-sender, weil ich sowieso nur nebenbei die selben 20 sender ansehe. ich will keine 10 anbieter von nudeln und erst recht nicht 50 verschiedene nudelsorten. ich will keine 15 molkereien die mir 200 verschiedene joghurtsorten anbieten....

ja, schluss jetzt :-)