Montag, 14. Juli 2014

TAPETENWECHSEL

lange zeit gab es kaum einen haushalt in dem nicht mindestens eines, wenn nicht sogar mehrere zimmer tapeziert waren. man trieb es bunt und gemustert, formal und abstrakt. so lange, bis niemand mehr auf verstörende muster an der wand die an lsd-trips gemahnten starren wollte. so beruhigten sich also die farben und muster und der siegeszug der raufasertapete begann.

doch auch hier wurde man deren bald überdrüssig, denn um auf eine weiße wand zu starren, die mehr oder weniger nicht gemustert war, genügte es vollkommen die wohnung einfach nur weiß auszumalen. das war vielleicht nicht billiger, auch nicht unbedingt weniger aufwand, aber es sah im ganzen gesehen besser aus.

aber irgendwann waren weiße wände dann auf dauer auch nicht so der burner, also begann man die wände wieder farbig zu gestalten. doch man machte nicht mehr den fehler früherer generationen und klatschte alle wände zu, sondern man setzte an einzelnen wänden akzente. zwischendurch gab (und gibt es leider immer noch) den unseligen trend der schwammtechnik, bei der die wände nach entsprechender behandlung so aussahen, als hätte man einen permanenten sehfehler, doch dieser verläuft sich zum glück langsam im sand.

inzwischen gibt es eine leichte renaissance der tapeten, gerne wieder auch in wirren farben und mustern, aber auch hier werden nur mehr akzente an einzelnen wänden gesetzt. ja und diese wandtattoos.... was soll man dazu sagen? dass die bezeichnung "tattoo" völlig irreführend ist, muss ich wohl nicht betonen, denn hier wird weder mit farbe gearbeitet, noch wäre es dauerhaft. man klatscht sich aufkleber an die wand und meint das wäre toll. ganz ganz selten ist es das auch, doch meistens sieht es einfach dämlich aus. tut mir leid leute, ich kann mit diesem trend nichts anfangen.

im haus meiner urgroßmutter gab es so lange ich denken immer die selben tapeten aus den 50er- und 60er jahren. im ehemaligen schlafzimmer meiner mutter (die bei ihrer großmutter aufwuchs) bestand das motiv dieser tapete aus leicht bekleideten mädchen, genauer gesagt, jungen damen die in ihr nachtgewand geschlüpft waren und nun wie pinup girls dort an der wand hingen. natürlich gefielen sie mir sehr, vor allem wegen des stylischen 60er-jahre stils.

ich erinnere mich an eine mit weichen runden formen in schwarz und weiß gemusterte tapete die in einer unserer wohnung die gerderobe auskleidete. sie fühlte sich einfach herrlich an wenn man daran rumgrapschte. sie war jedoch nicht von uns, sondern vom vormieter angebracht worden. wir, bzw. mein vater, waren dann für eine korktapete mit goldenem untergrund verantwortlich. damals fand ich das toll, heutzutage würde ich mir sowas niemals in die wohnung kleben.

aber mein kinderzimmer in dieser zeit war auch nicht besser. als grundmuster blauer jeansstoff und darauf sterne, motorräder, gitarren und herzen... oder so. um dem ganzen die krone aufzusetzen bekam ich auch noch ein schrecklich gemustertes couchbett hineingestellt. was dann danach kam war auch nicht besser, nämlich orange und gelbe blümchen....

ein schreckliches 80er-jahre szenario mit augenkrebspotential

irgendwann einmal lernte ich dekorateur und somit auch tapezieren. und ich hatte zugang zu schrecklich interessanten dingen, wie zum beispiel ausgemusterte schaufensterpuppen oder eben auch tapeten die eigentlich hintergrundmotive für schaufensterauslagen waren. solch ein motiv klebte ich mir dann in mein zimmer an eine wand. es sah aus wie eine alte perspektivische architektonische zeichnung eines bogengangs. 

ein kleiner ausschnitt der besagten bogengang-tapete

ja und dann kam die zeit der weißen wände. inzwischen habe zwar auch die eine oder andere wand farbig aufgewertet, aber irgendwie vermisse ich diese stylische tapete mit den leicht bekleideten jungen damen....