Samstag, 21. Juni 2014

REBOOT

was in der musik funktioniert,muss nicht unbedingt auch im kino funktionieren - nämlich die neuinterpretation eines bereits vorhandenen werkes. ich spreche nicht von coverversionen einzelner songs, sondern von ganzen alben, oder alben voll der wichtigsten und besten stücke eines künstlers. herausragende beispiele hierfür sind senor coconut, der gleich mehrere alben voller coverversionen von kraftwerk im latino-stil veröffentlichte, oder das balanescu quartet, das ebenfalls kraftwerk coverte, diesmal mit klassichen instrumenten. weiters laibach, die das album "let it be" der beatles neu einspielten, the the mit einem album voller hank williams interpretationen und mike oldfield, der sich selbst, bzw seine tubular bells gleich 4 mal neu intonierte (tubular bells II und III, the millenium bell und tubular bells 2003). klassische werke werden ja sowieso am laufenden band neu interpretiert, je nach dirigent, orchester und intendant.

doch, wie bereits gesagt, was in der musik funktioniert und altbekanntem oft sogar eine interessante neue variante hinzufügt, funktioniert nur höchst selten im kino. natürlich gibt es auch hier gute beispiele, spontan fallen mir "die fliege" der erste batman mit regisseur tim burton und natürlich der "herr der ringe" ein (ja, da gab es vorher schon einen versuch in form eines zeichentrickfilms). früher hieß sowas noch neuverfilmung, seit neuestem heißt es "reboot", sie wie es auch nicht mehr "filmreihe" oder "filmserie" heißt, sondern "franchise".

solch ein reeboot erfahren seltsamerweise hauptsächlich filme in denen es oft und laut kracht, dinge durch die gegend und in die luft fliegen und viel spezialeffekte zum einsatz kommen. warum ist das so? warum müssen wir uns immer und immer wieder avengers, batman, transformers, godzilla & co in ihren verschiedensten interpretationsfacetten ansehen? ganz einfach: weil die bisherigen verfilmungen erfogreich - im sinne von ertragreich - waren, die effekte jedes jahr noch besser gemacht werden können und die schauspieler beliebig austauschbar sind. bei filmen in denen die erzählte geschichte samt den dahinterstehenden darstellern wichtig sind, funktioniert sowas eben nicht. (ist das irgendjemandem aufgefallen wie ich die einen "schauspieler" nannte und die anderen "darstellter"? das mache ich deshalb, weil die einen eine show vorspielen, während die anderen etwas darstellen *zwinker*)

ein gutes beispiel für das scheitern einer neuverfilmung, sorry, für einen reboot ist "der tag an dem die erde still stand". vordergründig ist es eine science-fiction geschichte, doch im grunde geht es um fremdenfeindlichkeit und menschlichkeit und um das damalige vorrherschende thema "kalter krieg", zudem basiert der originalfilm aus dem jahr 1951 auf einer literarischen erzählung. im reboot mit keanu reeves geht all dies verloren und gipfelt natürlich in einer spezialeffekt-orgie, als klaatu (reeves) die zerstörung der erde einleitet. auch der gedanke der geschichte statt des kalten krieges der 50er jahre das thema umweltschutz aufzusetzen konnte dem gähnpotential dieser verflimung nicht entgegenwirken.

dem charme des originals kann man sich nicht entziehen

und trotzdem rennen die menschen in massen in den x-ten reboot einer comicverfilmung. warum? weil sie nicht an geschichten interessiert sind, sondern an spezialeffekten und sich ihr interesse an neuem ausschließlich darauf konzentriert, denn im grunde wollen sie immer wieder nur die selbe geschichte sehen. so wie sie auch immer wieder nur die selbe musik hören wollen.